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Tag 21 (21.06.2022): Von Nordmaling nach Docksta

Tageskilometer: 103,88 Km

Tageshöhenmeter: 962 Hm

Gesamtkilometer: 1.383,75 Km

Gesamthöhenmeter: 10.016 Hm

Gesamtkilometer Schiff: 47,60 Km

 

Es ist schon sonnig und warm am Morgen. Ich habe gut geschlafen, bin um 6:00 Uhr wach und gönne mir noch 45 Minuten Bayern 1-Frühstücksradio, bevor ich aufstehe. Das Notfrühstück besteht wieder einmal aus Studentenfutter und Wasser.

 

Der Tag sollte es in sich haben und sehr abwechslungsreich verlaufen, im positiven wie im negativen Sinn.

 

Ich fahre los und zuerst einmal geht es über einen ruppigen Waldweg, was nicht weiter schlimm ist. Aber dann lotst mich das Navi immer wieder, insgesamt ca. 35 Kilometer, auf die Autobahn E4. Ich schau mir die Etappe auf der Karte an und sehe, dass es wirklich nicht anders geht. Sobald das Navi eine Möglichkeit sieht, weist es mir den Weg weg von der E4 auf Feldwege und Nebenstraßen. 35 Kilometer auf der Autobahn, teilweise einspurig mit einem schmalen Streifen rechts und den vorbeifahren LKWs ist richtig heftiger psychischer Stress. Aber es gibt keine Alternative! Immer schöne rechts auf dem schmalen Streifen bleiben, keinen unnötigen Schlenker machen, voll konzentriert bleiben! So erreiche ich mein Etappenziel weniger körperlich, aber dafür richtig geistig ermüdet und seelisch etwas angeknackst. Ich muss mir unbedingt die Routen der nächsten Tage anschauen und diese verdammte Autobahn meiden.

 

Dabei benehmen sich die Auto- und LKW-Fahrer vorbildlich👍! Kein einziger hupt, alle fahren soweit links und vorsichtig an mir vorbei, wie es irgendwie möglich ist. Dafür könnte ich sie alle umarmen🥰. Ich glaube, ich muss dem schwedischen König einen Brief schreiben, damit er dieses dicke Lob in seine nächste Neujahrsansprache mit aufnimmt. Ich werde ihm aber auch noch die Leviten lesen, ob er vielleicht mal aus seiner luftgefederten Staatskarosse aussteigen möge, um sich den Zustand der Straßen genauer anzuschauen. Die sind nämlich für ein Königreich, gelinde gesagt, teilweise miserabel👎😡.

 

Bei uns daheim hätte ich höchstwahscheinlich nach diesem Tag einen Gehörschaden🙉 wegen ewiger Huperei und man hätte mir wohl mit allerlei netter Gesten die Ehre erwiesen👌👊🖕.

 

Zu allem Überfluß zeigt mein Navi an, Gott sei Dank nicht auf der E4, dass mich jemand auf dem Smartphone erreichen möchte, und zwar 6 Mal. Bei passender Gelegenheit bleibe ich stehen und gehe hin. Eine aufgeregte Dame erklärt mir, dass die Buchungsbestätigung für den kommenden Freitag ein Fehler im Buchungssystem sei. Ihr Hotel ist ausgebucht, aber sie versucht in der näheren Umgebung einen Platz für mich zu finden. Versprochen ist versprochen! Die Dame ruft mich eine halbe Stunde später an, dass sie eine Unterkunft für mich gefunden hat, das Ganze zwei Kilometer von ihr weg, aber das Frühstück dürfe ich als Wiedergutmachung am nächsten Tag bei ihr einnehmen. Passt auch, liegt nämlich auf meiner Route. Ich liebe es, wenn Probleme gelöst werden😊!


Sobald ich von der E4 weg bin, kann ich wieder durchatmen und die Ruhe und die Landschaft genießen. Das Städchen Örnsköldsvik, dass zwar klein aber sehr moderne Bauwerke hat, ist eine willkommene Abwechslung. Wenn ich links von mir heute ein Gewässer sehe, sind es immer Ausläufer des Bottnischen Meerbusens. Das Wasser ist strahlend blau und wunderschön.

Bei einer Riegel-Pause kurz hinter Örnsköldsvik schaue ich wieder mal zurück und denke mir: "Du kannst stolz sein👍! Du hast schon ordentlich was geschafft - über 1.300 Kilometer vom Nordkap bis hierher🚴‍♀️!

 

Ich genieße noch etwas die Sonne und die 23o C, die es heute im Durschnitt hat. Außerdem lassen mir die Biester absolut meine Ruhe. Ich bin ja eingesprüht😜.


Das Navi ist mein Freund und gibt nicht auf - eine sehr gute Eigenschaft! So kann ich weiterhin ab und zu reizende Landschaften genießen, muss aber ab und zu mal kurzerhand Wegsperren abbauen, um weiter zu kommen. Das ist allemal besser als auf dieser E4 zu fahren. Zurückgebaut habe ich die Sperren natürlich auch immer wieder.

Am Mittag komme ich dann in Docksta an. Docksta ist irgendwie wie No-Name-City. Es liegt direkt an der A4. An der Ausfahrt gibt es 4 (!) Tankstellen und ein Autobahnrestaurant. In Docksta ist definitiv der Hund begraben.

 

Das Hotel Docksta liegt schön an einem Ausläufer des Bottnischen Meerbusens, hat auch wieder einen kasernenähnlichen Scharm, ist aber tip-top sauber, die Zimmer schön und das Personal sehr freundlich und hilfsbereit. Nach dem Einchecken übernimmt eine freundliche Dame das Waschen und Trocknen meiner Wäsche. Also kann ich relaxen.

 

So ganz nebenbei mit ich heute in der Provinz Västernorrlands län angekommen. Ich bin schon gespannt, wie es weitergeht.


Ich gehe noch in den Supermarkt. Heute Abend gibt's nach dem stressigen Tag ein paar Nachos mit Cheesdip und ein schönes IPA dazu. Das habe ich mir wohl verdient.

 

Dass die Schweden Knäckebrot lieben, ist ja nix neues. Die Packungen sind teilweise rund so groß wie Autoräder, also ca. 30-40 cm. Anscheinend brauchen sie zum Ausgleich aber was Weiches. Es gibt Brotaufstriche mit allen nur vorstellbaren Inhalten wie z. B. geräuchertes Rentier, Bacon, Schinken, Garnele und noch vieles mehr. Ich werde mal geräucherten Kaviar mit Knäcke probieren und natürlich Bescheid geben wie es war.

Jetzt bin ich genau drei Wochen unterwegs. Ich habe viel erlebt, musste so manches Hindernis nehmen und es geht mir gut.

 

Ganz besonders helfen mir dabei auch die vielen Nachrichten, die ich von Euch allen bekomme; in den Kommentaren, per eMail, WhatsApp, Signal oder als Anruf. Dafür sage ich euch allen herzlichen Dank und macht weiter so!

 

Erst heute hat mich eine Nachricht von Frau Dr. Westphal mit Grüßen und Glückwünschen vom gesamten Chirurgie-Team des rechts der Isar erreicht.

 

All diese Nachrichten sind für mich Aufmunterung, Ansporn, Bestätigung und geben mir unendlich viel💪. Ich freue mich, auch weiterhin mit Euch in Kontakt zu bleiben🥰.


Und natürlich danke ich auch allen Spendern. Im Juli wird der Spendenzähler wieder aktualisiert. Ich bin schon sehr gespannt!

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