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Tag 27 (27.06.2022): Von Gävle nach Tärnsjö

Tageskilometer: 84,28 Km

Tageshöhenmeter: 284 Hm

Gesamtkilometer: 1.870,24 Km

Gesamthöhenmeter: 13.750 Hm

Gesamtkilometer Schiff: 47,60 Km

 

Diese Etappe sollte zwar mit geplanten knapp 70 Kilometern und nur 220 Höhenmetern eher zu den einfacheren gehören, aber sie hatte es dennoch in sich.

 

Wer mal in Gävle ins Hotel 2Home geht, sollte unbedingt darauf achten, ein Zimmer zum Hof zu buchen. Ich hatte eines zur Straße und die ist stark befahren und somit ist es ziemlich laut. Nachdem ich ja gestern im Restaurant Trivs hervorragend gegessen hatte, lasse ich das Frühstück eher klein ausfallen.

 

Dann sollte es auch schon losgehen. Das Navi macht zum zweiten Mal ein Problem und kriegt die Route nicht richtig geladen. Als ich meine, jetzt hat es geklappt, fahre ich los. Aber nach einigen Kilometern kommen mir Zweifel, ob ich richtig bin. Mein Freund Peter schlürft wahrscheinlich noch genüßlich seinen Morgenkaffee, und so schaue ich selbst nach. Tatsächlich bin ich völlig falsch unterwegs. Das Navi lässt sich nicht einfangen und so greife ich wieder auf mein Backup-Navi, das Smartphone, zurück. Das weiß sofort wo es lang gehen muss und lotst mich erstmal 4 Kilometer zurück nach Gävle. Dann dauert es einige Zeit, bis ich aus dieser 100.000 Einwohner Stadt draussen bin. Die Radfahrer und Fußgänger zeigen übrigens die selben Großstadtpsycho-Symptome🥱☠️🤡 wie in München. Sie laufen und fahren auf ihre Smartphone starrend wie blind in der Gegend herum und das Rot der Ampeln scheint für sie nur eine Empfehlung zu sein.

 

Was es mit der alten Dampflok auf sich hat? Dazu kommen wir später noch ....


Während das Navi nur die heutige Tour aufzeichnet, navigiert mich mein Smartphone zuverlässig durch die Gegend. Normalerweise darf es ja in der Rückentasche meines Fahrradtrikots mitfahren, aber heute hat es natürlich einen Sonnenplatz ganz vorne. Jeder Fahrer eines Kleinwagens wäre stolz, wenn er nur halbwegs so ein Cockpit hätte wie ich heute.

 

Schon bald merke ich, dass die Akkukapazität des Smartphones nicht bis zum Ende der Etappe ausreichen wird. So ein Display braucht halt mal viel Strom. So beschließe ich nach gut über 30 Kilometern, eine Zwangspause einzulegen, um das Smartphone aufzuladen. Ich hiefe die eh halb trägerlose Packtasche vom Anhänger und hole die Powerbank heraus. Ja, auch an Notstrom💯 habe ich auf meiner Tour gedacht. Ich schließe die Powerbank an und lege 30 Minuten in die Länge gezogene Riegel-Pause ein.

 

Dann kann's weiter gehen. Bevor ich aber weiterfahre, schließe ich das Smartphone noch an die Stromversorgung des Fahrrads an. Der Ladestrom ist allerdings so gering, dass ich mir das hätte sparen können.


Abwechselnd kommt mal ein Feldweg, dann wieder ein schattiger Waldweg und auch mal eine Straße unter die Räder. Was die Länge der Geraden von Straßen angeht, dachte ich ja, dass Lappland nicht zu toppen wäre, aber die Straßen hier können locker mithalten. Allerdings haben sie einen Nachteil gegenüber denen in Lappland. Die Bäume links und rechts verstellen die Sicht und somit ist es ziemlich eintönig, mal 6 Kilometer nur geradeaus zu fahren. Und die Bundesstraße 56, auf der ich heute immer wieder unterwegs bin, hält eine weitere unangenehme Überraschung für mich bereit. Sie ist genauso gebaut wie die Autobahn E4. Mal ist sie zweispurig, so dass alle auf der linke Spur schön brav über holen, aber manchmal ist sie auch nur einspurig und dann wird's wieder eng und stressig😡👹. Ich muss mir die Routen der nächsten Tage nochmals genauer anschauen.

 

Außerdem bläst mir fast während der gesamten Etappe dieser warme und teilweise sturmartige Wind entgegen. Das macht es nicht gerade leichter. Bei 30o C trocknet mir dieser Wind regelrecht den Mund und die Kehle aus. Ich trinke und trinke und trinke.


Wenigstens habe ich ab und zu wieder einen freien Blick auf schöne Landschaften mit traumhaften Seen und auf Wälder, deren Böden dicht mit Blaubeersträuchern überzogen sind. So vergeht die Zeit einfach schneller und vorallem schöner.

Zug mit Pferd.
Zug mit Pferd.
Zug von links und ...
Zug von links und ...
... Zug von rechts.
... Zug von rechts.
Zug mit Bahnstation als Museum.
Zug mit Bahnstation als Museum.
Zug von vorne mit Glücksarmband.
Zug von vorne mit Glücksarmband.

Mittags komme ich dann an meinem Etappenziel in Tränsjö an und bin nun in der Provinz Uppsala län angekommen. Tränsjö zeichnet sich dadurch aus, dass es eine Durchgangsstraße hat, auf der man das Kaff, egal in welche Richtung, so schnell wie möglich wieder verlässt. Hier ist wirklich nix los, aber rein garnix.

 

Die einzige Attraktion, wenn es denn eine sein soll, ist SovPå Tåg i Tränsjö🚂. Das ist eine alte verkommene Dampflok mit mehreren ebenso verkommenen uralten Eisenbahnwagons und einer alten Bahnstation, in der ein Museum untergebracht ist, das aber auch nichts hermacht.

 

Ich rufe also die Kontakttelefonnummer an, dass ich gebucht habe und jetzt da bin. Die Dame am anderen Ende der Letung meint, sie komme erst um 15:00 Uhr. Damit habe ich zwei Stunden Zeit. Ich setzte mich auf einen der Stühle vor der Bahnstation, lehne mich zurück und nicke ein. Als ich aufwache habe ich das Gefühl ich bin in einem Western gelandet, in dem ich auf meinen Gegner für eine Schießerei warte, aber der Feigling kommt nicht.

 

Um 14:30 Uhr kommt dann ein Mann mit dem Auto angebraust und winkt mich her. Er habe nicht viel Zeit. Seine Frau und er fahren abwechselnd LKW und die Zugstation ist ein Nebenerwerb. So sieht das Ganze auch aus. Alles wirkt sehr improvisiert. Es ist warm und stickig in den Wagons. Mein Zimmer, 2,5 m x 2,5 m, ist mit einem Standventilator ausgestattet, aber der bringt auch nicht viel. Die Dusche funktioniert. DAS Restaurant öffnert erst am Dienstag.

 

Leider gibt es weit und breit keine Alternative. Empfehlen kann ich diese Unterkunft nicht. Dazu ist sie zu heruntergekommen und viel zu teuer. Ich bin übrigens der einzige Gast - wen wunderts?

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Kommentare: 4
  • #1

    Michael (Montag, 27 Juni 2022 20:31)

    Dein aktueller Arbeitsplatz auf deinem "schnittigen Dreiachser" sieht ja beeindruckend aus: mindestens 2 Bildschirme, wenn ich das richtig sehe. Zu einem funktionstüchtigen mobilen Rechenzentrum gehört natürlich auch eine Powerbank.
    Wikipedia weiß über Tärnsjö nur Folgendes zu berichten (https://en.wikipedia.org/wiki/T%C3%A4rnsj%C3%B6): "Tärnsjö is a locality situated in Heby Municipality, Uppsala County, Sweden, with 1,221 inhabitants in 2010." Das ist alles. Einen Multi-Food-Laden scheint es auch nicht zu geben, aber immerhin eine Unterkunft �.
    Laut wetteronline soll es morgen in Tärnsjö noch mal 31° warm werden und dann regnerischer und kühler.
    Deine Bilder zeigen weiterhin "schöne Landschaften mit traumhaften Seen und Wäldern". Wenn die Überlandstraßen auch noch Fahrradwege hätten, dann könntest du die Natur noch viel mehr genießen. Vielleicht wird die Situation auf den Straßen ja besser. Weiterhin alles Gute, Wolfi!

  • #2

    Wolfi (Montag, 27 Juni 2022 20:43)

    Servus Michael,
    Gott sei Dank gibt es einen Supermarkt und da bekommst du sogar hier alles. Nur für die bevorstehende Schießerei habe ich keine Kugeln bekommen�.

  • #3

    Margret (Dienstag, 28 Juni 2022 10:14)

    Lieber Wolfi, bei den Fotos vom Zug und der Station fühlt man sich ja echt zeitversetzt. Ich hoffe, Du hast Dein Glücksarmband nicht an der Lok hängen lassen. Ich hätte einen Vorschlag für einen Namen. Wenn ich etwas verliere und es partout nicht finden kann, bitte ich den Heiligen Antonius um Hilfe. Er ist praktisch der Schutzpatron für Verlorenes. Meistens hilft das. Ich finde TONI wäre ein schöner Name für Dein schon einmal verlorenes Glücksarmband. Weiterhin gute Fahrt ! LG Margret
    P.S. Die Hilfe vom Hl. Antonius ist nicht unendlich, irgendwann fordert er einen Obolus (gute Tat, Spende oder so) sonst gehen die Sachen wieder verloren auf Nimmerwiedersehen

  • #4

    Wolfi (Mittwoch, 29 Juni 2022 18:01)

    Liebe Magret,
    vielen Dank für deinen Namensvorschlag für das Glücksarmband! Bisher sind ja leider nur drei Vorschläge eingegangen.

    Ich finde deinen sehr schön.

    Ich kann schon mal soviel sagen. Die Siegerehrung findet demnächst statt, also noch etwas Geduld.

    Der Hl. Antonius stell ja ganz schöne Ansprüche. Ich radle eh schon für den guten Zweck was ich kann.