Tag 39 (09.07.2022): Von Älmhult nach Åsljunga

Tageskilometer: 73,93 Km

Tageshöhenmeter: 462 Hm

Gesamtkilometer: 2.565,23 Km

Gesamthöhenmeter: 18.464 Hm

Gesamtkilometer Schiff: 47,60 Km

 

Es ist bedeckt als ich aufstehe. Zum "Ertasten" der Temperatur gehe ich vor dem Frühstück meistens mit meinen neu befüllten Trinkflaschen nach draußen und bringe sie schon mal am Gespann an. Es ist frisch und es bläst ein lebhafter Wind.

 

Aber zuerst einmal geht's im IKEA Hotel zum Frühstücken. Es gibt eigentlich nichts Besonderes, und dennoch muss ich zwei Dinge besonders hervorheben. Ich hatte noch nie in meinem ganzen Leben so ein cremiges Rührei. Ich finde ja mein Rührei schon immer ganz gut, aber dieses Rührei war einfach der Hammer. Dann gibt es noch Pancakes, die sowas von fluffig sind, dass ich hellauf begeistert bin. Im 7. Himmel bin ich allerdings, weil es zu diesen fluffigen Pancakes eine leckere Erdbeermarmelade gibt und frische steif geschlagene Sahne. Der kleine Bayer in mir nickt und meint: "Host recht Woife, lang nur sauba zua wenn's da so guad schmeckt! Wer woaß, wann's wieder sowas Feines gibt." Die Sahne ist so steif geschlagen, dass man sie auch als Fliesenkleber verwenden könnte und sowas von leeeeecker. Da gönne ich mir gleich zwei Portionen und das obligatorische Müsli muss leider ausfallen.

 

Die junge Dame an der Rezeption hat beim Auschecken denselben Charme wie der elektronische Rezeptionist im U&Me in Umeå. Sie verabschiedet sich und wünscht mir einen schönen Tag. Empathie sieht allerdings ganz anderes aus.

 

Da es nicht allzu warm ist, ziehe ich über mein kurzärmliges Fahrradshirt noch ein langärmliges drüber. Ich radle los und in südliche Richtung aus Älmshult hinaus. Dabei fahre ich die ersten zwei Kilometer nur am sogenannten Distributionscenter von IKEA vorbei. Wie wir es von uns daheim von Speditionen kennen, reiht sich an den Rampen ein Tor an das andere und es stehen unzählige LKWs auf dem Gelände. Nur habe ich sowas noch nie in diesen Dimensionen gesehen. Gearbeitet wird dort heute übrigens nicht.


Es geht raus in die Natur und ich freue mich wieder über ein fröhliches Auf und Ab auf abgelegenen Straßen fast ohne Verkehr. Ab und zu lädt ein schöner Blick zum Verweilen ein. Das Verweilen begrenze ich allerdings heute etwas. Neben sonnigen Abschnitten hängen immer wieder tiefschwarze Regenwolken über mir. Ab und zu tröpfelt es leicht und ich hoffe, dass ich meine Regenklamotten nicht auspacken muss. Darüber hinaus habe ich teilweise mit überfallartigen extremen Windböen zu kämpfen, und zwar von allen Seiten. Wenn er von hinten kommt, macht das natürlich einen Heidenspaß🤸‍♂️. Aber teilweise kommt er auch überfallartig von der Seite und dann wird's fast schon gefährlich. Ich bin also höllisch auf der Hut, dass ich nicht irgendwo lande, wo ich überhaupt nicht hinwill🚳.

 

Letztendlich können mir die tiefschwarzen Regenwolken und auch der extreme Wind nichts anhaben. Ich komme trocken und wohlbehalten in Åsljunga an. Åsljunga liegt in der Provinz Skåne län, aber da wo Åsljunga liegt, liegt sonst garnix.

 

Da, wo eigentlich garnix ist, ist aber doch etwas.


Ich übernachte nämlich heute im Naturschutzhotel - Åsljungagården "Nature Shelter". Das Hotel liegt außerhalb des Dorfs Åsljunga im Wald. Neben der Möglichkeit, zu wandern und zu baden, bietet das Hotel selbstgemachtes Essen aus Naturprodukten, die aus der Region kommen. Das Dinner ist weit und breit für seinen hervorragenden Ruf bekannt. Das werde ich heute Abend ganz bestimmt testen. Innen ist das Hotel schön gemütlich mit alten Möbeln im Vintage-Stil gehalten.

Original Eddy Merckx mit Campagnolo-Ausstattung.
Original Eddy Merckx mit Campagnolo-Ausstattung.
MTB-Fully Offroad 752.
MTB-Fully Offroad 752.
BMW 740i in Vollausstattung mit Telefon und TV, Baujahr 2000.
BMW 740i in Vollausstattung mit Telefon und TV, Baujahr 2000.

Peter, der Besitzer des Nature Shelter, hat aber noch andere Leidenschaften neben seinem Hotel. Er hat ein schier unendliches Ersatzteillager mit alten Fahrradrahmen und Komponenten. Daraus baut er historische Rennräder der 1950er und 1960er Jahre wieder im Neuzustand auf. Darüber hinaus baut er ebenfalls Mountainbikes der 1970er und 1980er Jahre originalgetreu wieder auf. Die Räder sind einfach ein Traum😃🚴‍♂️.

 

Und weil das noch nicht genug ist, besitzt er einen BMW 740i in Vollausstattung mit Telefon und TV aus dem Jahr 2000 im Originalzustand. Der Wagen steht da wie neu und der Sound des 8-Zylinders zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht als er wegfährt😜.

 

Auch im scheinbaren Nirgendwo gibt es wieder was ganz Aufregendes - toll👍!

Damit verlasse ich morgen Schweden. Vielleicht kehre ich in den nächsten Tagen nochmal kurz zurück. Wenn es so sein sollte, dann gibt's hier im Reiseblog nochmal Infos dazu.

 

In Schweden bin ich im hohen Norden durch Lappland und die übrigen Provinzen die zum sogenannte Norrland gehören gefahren, um dann durch das mittelschwedische Svealand und zum Schluss durch Teile des südschwedischen Götalands zu fahren.

 

Wie war Schweden nun? 

Gefallen haben mir die unendlich weiten Landschaften, im Norden karg und weiter nach Süden kommend immer lieblicher mit riesigen Getreidefeldern und Wäldern. Die Natur ist beeindruckend schön.

 

Die Menschen waren immer hilfsbereit. Die Menschen im Norden haben dabei immer ein ehrliches, ja tiefes Interesse an mir gezeigt, was in Richtung Süden immer mehr abnahm. Besonders in den größeren Städten herrschen - ich muss sagen leider - die gleichen Missstände wie in den Städten Deutschlands. Sie sind laut, verschmutzt und teilweise runtergekommen. Es herrscht auch eine gewisse Anonymität. Bei den Menschen im Norden habe ich mich ausnahmslos sehr wohl gefühlt, im Süden eher gut untergebracht, außer in den kleinen ländlichen Unterkünften.

 

Besonders hervorzuheben ist, dass die Schweden sehr rücksichtsvoll Auto fahren. Bei jedem Übergang bleiben sie stehen, beim Überholen halten sie wunderbar Abstand und sie fahren eher gemütlich. Was all das angeht, bin ich nur auf wenige Ausnahmen getroffen.

 

Ebenfalls positiv auf meiner bisherigen Tour ist, dass kein einziger Hund frei rumlief. Ganz im Gegenteil, die Menschen haben ihre Hunde alle an der Leine und wenn ich ihnen entgegenkam, nahmen sie den Hund besonders kurz an die Leine und waren sehr rücksichtsvoll. Ich würde mir wünschen, dass das bei uns in München auch so wäre. Schweden hat generell strenge Regeln zum Halten von Hunden und zum Schutz der Menschen, etwas was den Allergieschutz angeht.

 

Was mir noch aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass die E-Auto-Dichte auch im schwedischen Süden nicht höher ist als in Deutschland. Ich habe einige Leute darauf angesprochen. Sie haben nur mit den Achseln gezuckt und gemeint, da müsse ich in den Süden Norwegens fahren, aber hier gibt's das so nicht.

 

Am erschreckendsten fand ich die schwedische Wohlstandsgesellschaft. In Vimmerby habe ich meine Freunde Rudi und Nadine und in Tolg Lasse gefragt, ob meine bisherigen Beobachtungen richtig sind, dass Schweden eine Wohlstandsgesellschaft mit einer übersättigten Bevölkerung hat. Sie bestätigten alle meine Beobachtungen. Ich habe schon lange nicht mehr so viele übergewichtige Personen wie in Schweden gesehen. In den Hotels ist mir aufgefallen, dass vielfach die Hälfte des am Buffet aufgeladenen Essens oder die Hälfte des bestellten Essens einfach stehen gelassen wurde - was für eine unglaubliche Verschwendung. Die Menschen werden vom Wohlstandsstaat regelrecht gepampert. In letzter Zeit wird wohl von staatlicher Seite versucht, die hohen sozialen Leistungen zurückzuschrauben, weil sich der Staat dieses Niveau schlichtweg nicht mehr leisten kann.

 

Ich bin kein Asket, aber diese Beobachtungen haben auf mich einfach nur abstoßend gewirkt.

 

Schweden ist auf alle Fälle eine Reise wert und nachdem ich noch einen Geschenkgutschein meiner Frau für einen Städtereise nach Stockholm habe, hoffe ich, diesen bald einlösen zu können.

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