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Tag 43 (13.07.2022): Von Helsingør nach Præstø

Tageskilometer: 137,04 Km

Tageshöhenmeter: 660 Hm

Gesamtkilometer: 2.777,54 Km

Gesamthöhenmeter: 19.540 Hm

Gesamtkilometer Schiff: 52,85 Km

 

Nach dem gestrigen abwechsungsreichen Tag habe ich gut geschlafen und nach einem kräftigen Frühstück geht es los. Das Wetter wird nach und nach sonnig und die Temperaturen steigen schon am Vormittag auf fast 30o C, obwohl es mir wegen des Windes garnicht so warm vorkommt.

 

Nach 30 Kilometern erreiche ich Kopenhagen, durch dessen Randgebiete ich fahre. Auch wenn mich meine Route fast ausnahmslos über Radwege führt, die strikt von den Straßen getrennt sind, nervt der Weg. Der Straßenverkehr ist laut, alle Daumen lang gibt es eine rote Ampel und darüber hinaus muss ich bei dem ewigen Zick-Zack des Weges auch noch aufpassen, auf der Route zu bleiben.

 

Und genau das wird mir zum Verhängnis. Ich meine, dass ich von der Route abweiche und versuche, zu wenden. Dabei nehme ich einen so engen Radius, dass der Anhänger das Gespann auf die Seite legt und mich mit dazu. Die Haut am linken Ellbogen ist abgeschürft und es blutet stark. Dazu habe ich mir das noch das linke Knie heftig geprellt. Die Blutung am Ellbogen stoppe ich durch das Aufdrücken eines Taschentuchs. Für das Knie kann ich erstmal nichts tun.

 

Das besonders Ärgerliche an der ganzen Geschichte ist, dass ich auf dem richtigen Weg war und nicht hätte wenden müssen. So fahre ich weiter. Der Ellbogen juckt mich recht wenig, den brauche ich ja nicht direkt zum Fahrradfahren, aber das Knie schmerzt schon ordentlich und ich versuche ganz locker dahinzupedalieren. Un das mache ich so auf den verbleibenden 97 Kilometern.


Der Weg nervt auch weiterhin. Ich fahre stundenlang auf dem Fahrradweg neben der Bundesstraße 151 her in südliche Richtung. Dabei muss ich durch gefühlt 100 Kreisverkehre, die aber auch keine echte Abwechslung darstellen. Bisher hatte ich noch keine Etappe, auf der es erst nach 90 Kilometern etwas zu fotografieren gab. Ich fahre übrigens auf der Insel Seeland durch eine der wirtschaftlich stärksten Regionen Europas. Das macht sich an den Häusern, den Autos und der Infrastruktur bemerkbar. Die Leute schauen mich auch abweisend an. Da müssen die gutsituierten Dänen jetzt durch, dass ich bei Ihnen durchfahre.

 

Denn nach 90 Kilometern verlasse ich diesen Fahrradweg und biege in Richtung Südosten ab. Es folgen nur noch kleine Straßen oder Radwege. Die Landschaft wird etwas hügeliger und weiter. Am Wegesrand begleiten mich rießige Getreidefelder so wie ich sie schon in Schweden gesehen hatte. Ich weiß nicht warum, aber das Licht wirkt irgendwie unnatürlich. Die Felder sind mal ganz hell und dann mal wieder goldgelb. Ich genieße den Duft des bald erntereifen Getreides und ehe ich mich versehe habe ich meine Unterkunft erreicht.


Die Unterkunft ist was ganz besonderes. Es ist das Jungshoved Præstegaard B&B, das zugleich Estonisches Honorarkonsulat ist, und geleitet wird vom äußerst amüsanten Mr. Filip Dalthur Rasmussen. Seine Frau Anette steht ihm an Originalität und Lebensfreude in nichts nach. Das Anwesen ist wunderschön und liegt nahe an der Ostsee, aber mit meinem Knie verkneife ich mir, rumzulaufen. Leider geht das nicht , und ich muss mich schonen.

 

Nach meiner Ankunft organisieren sie, dass ihre Tochter, die Krankenschwester ist, meinen Ellbogen reinigt. Sie empfiehlt mir, diesen über nacht mit einem Pflaster abzukleben und das Knie mit Voltaren und Eis zu behandeln. Gesagt - getan hoffe ich, dass ich morgen wieder so fit bin, dass ich weiter fahren kann. Ich kann jetzt alle gedrückten Daumen brauchen!

 

Und um die Gastfreundschaft noch zu vollenden, bekomme ich belegte Sandwiches zum Abendessen, nachdem es hier weit und breit kein Lokal oder einen Supermarkt gibt.

 

Bier soll ich mir einfach aus dem Kühlschrank nehmen. Das ist doch wieder mal eine Unterkunft nach meinem Geschmack. Die schönsten Aufenthalte hatte ich immer in den kleinen Unterkünften mit persönlichem Kontakt, und das ist hier genauso wunderbar. 

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Kommentare: 5
  • #1

    Dieter (Mittwoch, 13 Juli 2022 18:46)

    Servus Wolfgang

    Das ist ärgerlich mit dem Sturz. Gute Besserung von uns. Ich muß dich bewundern wie du oft stundenlang solche Straßen/ Wege fährst. Diese ewigen geraden Straßen ich würde aufgeben. Bei mir muß es kurvig, rauf und runter gehen, typisch MTBler. :-)

    Viele Grüße Dieter

  • #2

    Inge (Mittwoch, 13 Juli 2022 21:32)

    Lieber Wolfgang,

    Also hier sind 4 Daumen für dich gedrückt! Hoffentlich wird das besser mit dem Elbogen und ganz besonders mit Deinem Knie heute Nacht!!!
    Klar ist das SEHR ärgerlich, aber das hätte auch sehr viel schlimmer ausgehen können! ... wenn das ein kleiner Trost ist.
    Geniesse die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft deiner Unterkunft. Das kann man an so einem Tag wirklich brauchen!
    Alles Gute und SCHNELLE Genesung!!!
    Inge & Mike

  • #3

    Janine & Co (Mittwoch, 13 Juli 2022 22:21)

    Lieber Wolfgang, das wenden übst du dann nochmal , OK?� Das tut uns sehr leid, wir hoffen, dass dein Knie nichts schlimmeres hat. Sollte es eine Sehnenzerrung sein komme gern vorbei, ich kann dir meine flexible knieorthese leihen. Die muss ich noch zwei Wochen tragen, dann sollte bei mir alles wieder ok sein.... Spaß beiseite, wir hoffen mal, dass du dir nichts gezerrt hast.Alles Gute.

  • #4

    Martina (Donnerstag, 14 Juli 2022 07:30)

    Oh nein, so ein Mist � Gute Besserung und lass Dich gut versorgen!

  • #5

    Wolfi (Donnerstag, 14 Juli 2022 19:09)

    Servus ihr Lieben,
    wie heißt es so schön? Unkraut vergeht nicht.
    Ich danke euch allen für eure lieben Glückwünsche. Das hilft mir sehr, euch an meiner Seite zu wissen.
    Liebe Grüße
    Wolfi