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Tag 44 (14.07.2022): Von Præstø nach Rostock

Tageskilometer: 95,5 Km (Fähre 48,4 Km nicht enthalten)

Tageshöhenmeter: 508 Hm

Gesamtkilometer: 2.873,04 Km

Gesamthöhenmeter: 20.048 Hm

Gesamtkilometer Schiff: 101,25 Km

 

Bevor es mit den Erlebnissen des Tages losgeht, erkläre ich noch ein paar Spielregeln für den Blog, die der Herr des Blogs sich überlegt hat, also ich.

Es lohnt sich durchaus, ab und zu noch auf den vorherigen Blogeintrag zu schauen. 

 Wenn mir noch irgendetwas einfällt, das mir wichtig erscheint, dann trage ich das schon mal nach.

 

Nachrichten jeglicher Art werden auf demselben Weg von mir beantwortet. Also, Kommentare im Blog werden mit einem Kommentar beantwortet, WhatsApp mit WahtsApp, eMail mit eMail und SMS? - genau, mit einer SMS.

 

Gestern habe ich allerdings keine Nachrichten beantwortet. Da war ich beschäftigt, meine lädierten Knochen wieder auf Vordermann zu bringen. Mit Voltaren Creme und Eispacks ist mir das einigermaßen gut gelungen. Da bedanke ich mich auch nochmal ganz herzlich bei Anette, die mich rührend versorgt hat.

 

Ich habe sehr gut geschlafen. Das Bett war mit das beste auf meiner bisherigen Tour. Das Knie scheint ziemlich schmerzfrei zu sein. Über die Wunde am Ellbogen habe ich über Nacht ein Pflaster geklebt. Trotzdem habe ich die schönen Laken mit Wundflüssigkleit versaut. Als ich das Anette beichte, meint sie nur abwinkend "Halb so schlimm. Hauptsache, dir geht es wieder gut." Vor dem Frühstück mache ich das Gespann noch vollständig zur Abfahrt fertig. Dann frühstücke ich und Anette leistet mir Gesellschaft. Wir haben unseren Spaß über dies und das. Zum Schluß deutet sie auf meinen Ellbogen und meint grinsend, dass ich wenigstens ein schönes Souvenir aus Dänemark mitnehme. Ich mag diese Art von verschmitztem Humor.

 

Filip, Anettes Ehemann und Honorarkonsul von Estland musste gestern Abend geschäftlich weg und kommt erst heute Mittag wieder zurück. Bevor er fuhr, saßen wir noch gemeinsam auf der Terrasse und haben über viele Themen, auch über meine Tour, gesprochen. Er fragt mich, ob er ein Foto von mir und im Hintergrund dem Schild des Estischen Konsulats machen dürfe. Diese Bild und das Bild meines Gespannes postet Filip 5 Minuten später an alle möglichen Kanäle seiner diplomatischen Beziehungen. Er meint, so ein tolles Projekt muss publik gemacht werden. Bevor er fährt, klopft er mir noch auf die Schulter und sagt mir nochmal wie toll er mein Projekt findet und wünscht mir viel Glück.

 

Filip und Anette, das sind zwei ganz besondere Menschen. Sie haben liebevoll und geschmackvoll aus ihrem Anwesen, deJungshoved Præstegaard B&B, ein Schmuckstück gemacht. Die beiden strahlen eine Wärme, eine Fröhlichkeit und eine Lebensfreude aus, die förmlich aus ihren Augen abzulesen ist. Wer hier mal vorbeikommt, muss hier unbedingt mal übernachten und diesen wunderschönen Ort und diese beiden außergewöhnlichen Menschen erleben.

 

Nach dem Frühstück verabschieden Anette und ich uns und ich mache mich auf den Weg.


Der Wind bläst frisch aus Westen. Ich achte darauf was mein Knie sagt. Es schmerzt und ich denke mir, nach ein bischen warm fahren wird das bestimmt besser. So radle ich  dem starken Westwind entgegen und es duftet unwiderstehlich nach Getreide, Blumen und dem Meer. Ich kann richtig das Salz auf meiner Haut spüren und wie meine Nase durch die salzige Luft völlig frei ist.

 

Mir wird langsam wärmer, denn der Wind ist trotz 20o C schon frisch. Und wenn mir wärmer wird, wird mein Knie natürlich auch wärmer. Die Schmerzen werden weniger und ich denke "Wenn du mit wenig Druck weiterfährst, wird das ganz gut funktionieren."


So radle ich dahin und verlasse die Insel Seeland über die Masnedsundbroen um auf die Insel Masnedø zu gelangen. Die Brücke ist nicht weiter erwähnenswert. Doch dann sehe ich schon von weitem die Storstrømsbroen und die ist wirklich erwähnenswert. Sie ist über drei Kilometer lang, hat einen Radweg, zwei Fahrspuren für Autos und ein Eisenbahngleis. Aber die Brücke ist absolut abrissreif. Das Geländer und die die Brückränder sind dermaßen marode, dass man meinen könnte, das Ding bricht jeden Moment zusammen, vorallem, als bei meiner Überquerung auch noch ein Zug drüberdonnert. So überquere ich die gute alte Brücke, die die Insel Masnedø mit der Insel Falster verbindet 28 Meter über dem Meer und bei Windstärk 7 bis 8. Somit habe ich am frühen Morgen schon Inselhopping in Dänemark hinter mir.

 

Die Dänen haben übrigens ein Erbarmen mit der Brücke und vorallem mit allen, die da drüber fahren müssen und bauen gerade an einer neuen Storstrømsbroen.

 

Im Osten sehe ich noch in einiger Entfernung die Farø Broerne, die die Autobahn E47, eine Weiterführung der für mich aus Schweden berüchtigten E4, ebenfalls über Seeland nach Falster führt.


Der Weg führt mich auf Falster immer mehr in südöstliche Richtung, was das Radeln mit Wind aus Nordwest recht angenehm macht und meinem Knie auch guttut. Ich könnte ständig stehenbleiben, um wunderschöne Landschaft zu fotografieren. Ich finde das Licht ist so anders wie daheim; irgendwie wirkt es künstlich. Dann komme ich an einem Schild vorbei und denke mir "Wenn du die Bären in der Arktis überlebt hast, wirst du wohl die Elefanten auch überleben." Gesehen habe ich keine.

 

Im Süden Dänemarks habe ich unglaublich große Flächen mit Getreidefeldern gesehen, die im Gegensatz zu denen im Norden und in Schweden schon reif zum abwernten sind. Der Weizen wogt ganz stabil im Wind hin und her, während die Gerste mit ihren Grannen aus der Ferne wie feines blondes Haar aussieht - ein wunderschöner Anblick.


Um 12:00 Uhr erreiche ich dann Gedser Odde, den südlichsten Punkt Skandinaviens. Jetzt kann ich schon mal sagen, dass ich vom nördlichsten Punkt Skandinaviens, dem Nordkap, zum südlichsten Punkt Skandinaviens, der Gedser Odde, gefahren bin.

 

Nachdem das Nordkap auf 71o 10‘ 4‘‘ nördlicher Breite und 25o 48‘ 9‘‘ östlicher Länge liegt und die Gedser Odde auf 54o 33‘ 32‘‘ nördlicher Breite und auf 11o 58‘ 12‘‘ östlicher Länge sind beide Orte Luftlinie 1.962,89 Kilometer voneinander entfernt. Nachdem ich den geraden Weg nicht gefunden habe, brauchte ich dafür 849,32 Kilometer mehr, also 2.812,21 Kilometer.

 

Im Gegensatz zum Nordkapsenter ist das Touristcenter an der Gedser Odde richtig heruntergekommen. ein besuch lohnt meiner Meinung nach nicht. Die Straße hört tatsächlich dort auf. Ich habe ja schon von meiner magischen Anziehungskraft fürt Baustellen berichtet. Auch der Leuchtturm am südlichsten Punkt Skandinaviens steht eingerüstet und verhüllt da. Leuchten darf er noch ganz oben auf seiner Spitze.

 

Die ewig weiten Getreidefelder erstrecken sich auch noch bis direkt an die Ostsee. und das Licht läßt sie wieder einmal mehr richtig goldfarben erscheinen.


Ich fahre von Gedser Odde zurück nach Gedser an den Fähranleger. Dort kaufe ich mir ein Ticket und um 13:30 Uhr beginnt die Überfahrt nach Rostock. Das Gespann parkt tief unten im Bauch der Fähre neben jeder Menge 40-Tonnern aus aller Herren Länder.

 

Ich bin schlau und kaufe mich beim Lunch-Buffet pauschal ein, wo ich mich in aller Ruhe bedienen und gemütlich essen kann. Im normalen Restaurantbereich ist es dermaßen überfüllt und laut, dass das keinen Spaß macht.

 

Die letzten 12 Kilometer nach Rostock sind schnell geschafft und alles weitere gibt's dann morgen. Ich gehe jetzt dann an die Bar und bestelle mir einen Whiskey on the Rocks, aber ohne Whiskey. Die Rocks lege ich auf mein Knie.


Ich bin sehr dankbar, dass ich heute weiterfahren konnte!

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Kommentare: 3
  • #1

    Janine und Co (Donnerstag, 14 Juli 2022 19:57)

    Ganz großartig, Welcome Back to Germany ��da hast du dir aber eigentlich schon einen Drink verdient�

  • #2

    Inge (Donnerstag, 14 Juli 2022 22:57)

    Herzlich Wilkommen in D !!

  • #3

    Wolfi (Freitag, 15 Juli 2022 06:52)

    Hallo ihr Lieben,
    herzlichen Dank für eure Glückwünsche.
    @Inge: In N, FIN, SWE und DK war es aber auch sehr schön! Das werde ich immer in guter Erinnerung behalten.