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Tag 51 (21.07.2022): Von Weißensee nach Neustadt am Rennsteig

Tageskilometer: 85,24 Km

Tageshöhenmeter: 1.024 Hm

Gesamtkilometer: 3.388,02 Km

Gesamthöhenmeter: 23.094 Hm

Gesamtkilometer Schiff: 101,25 Km

 

Heute klingelt der Wecker um 5:30 Uhr🥱. Nachdem große Hitze angesagt ist, will ich der möglichst aus dem Weg gehen und früh start. Irgendwie wäre das aber garnicht so nötig gewesen oder doch?

 

Herr Kuhn bringt pünktlich das schön hergerichtete Frühstück. Er erzählt mir, dass er bis vor kurzem eine Firma mit Foodtrucks hatte, und ich denke mir, das wäre in Skandinavien genau mein Mann gewesen. Nun, die Firma mit den Foodtrucks hat er verkauft und dafür sein sehr großes Haus, in dem er auch wohnt, mit viel Liebe zur Pension umgebaut. Das ist jetzt die Haupteinnahmequelle. Nach der Menge der Frühstücke zu urteilen, läuft die Pension sehr gut; ist auch kein Wunder, so toll wie alles ist.

 

Nach dem Frühstück mache ich das Gespann fertig und es nieselt leicht. Das stört mich nicht weiter, denn es hat schon 20o C. Was mich aber schon stört, ist, dass es Toni das Glücksarmband zerreißt😱, und zwar nicht vor lauter Lachen, sondern weil der Plastikverschluß kaputt geht. Ich merke es zum Glück und Toni fährt jetzt erstmal als bunter Regenwurm🪱 mit. Ich schreibe Ines, der Mama von Luisa und Lena, was passiert ist, und bestelle einen neuen Verschluss. Prompt kommt die Antwort, dass meine Frau zum bevorstehenden Treffen neue Verschlüsse mitbekommt. Das nenne ich doch mal einen hervorragenden Service🥰 - dickes Lob👍!

Heute ist der erste Tag, ich bin ja auch schon sehr früh aufgestanden, an dem es noch nicht ganz hell ist in der Früh. Das ändert sich bald, aber es sieht nicht nach der Gluthitze aus, die vorhergesagt war. Wer weiß, vielleicht ändert sich das ja noch im Laufe des Tages.

 

Nach ein paar Kilometern habe ich den ersten von mehreren Anstiegen, die ich heute bewältigen muss, geschafft, und habe noch einmal einen wunderbsaren Blick zurück auf Weißensee. Den Ort werde ich auf alle Fälle in guter Erinnerung behalten wegen der tollen Pension Ratsgasse, der Ratsbrauerei Weißensee, der Statuta Thaberna und dem Columbus-Steakhaus.


Viel der Getreidefelder sind schon abgeerntet, aber es gibt noch genug zu tun mit den übrigen. Der Weg führt mich ausnahmslos über tolle Fahrradwege und wenig befahrene Straßenabschnitte - mit einer Ausnahm. Nach Weißensee lotst mich das Navi für einen Kilometer über einen Fahrradweg, den ich eher als Singletrail bezeichnen würde. Zweimal muss ich absteigen, weil ich auf etwas 50 Zentimeter hohe Felsabbrüche treffe. Den übrtigen Weg fahre ich, der ist aber auch nicht ohne durch teilweise 30 Zentimeter tiefe Rinnen, die wohl der Regen so ausgewaschen hat.

 

Ich fahre in Erfurt ein und es beginnt wieder zu nieseln, hört aber bald wieder auf. Erfurt ist nun bis auf wenige Ausnahme wirklich keine schöne Stadt und ich bin froh als ich durch bin. Dann mache ich meine erste Pause.

 

Danach fahre ich lange Zeit am Flüsschen Wipfra entlang bis mein neuer Flußpartner die Ilm wird. Jetzt folge ich eben der Ilm weiter - hilft ja nix. Am Weiler Pulvermühle sage ich auch der Ilm "Mach's gut!"

 

Ich konnte mir ja beim besten Willen nicht vorstellen, dass es nochmal ein Problem mit der Sattelstütze geben würde. Da wäre ich bei einer Wette "All In"💶💶💶 gegangen. Gut, dass ich dass nicht gemacht habe, sonst wäre ich jetzt pleite🤯. Unvermittelt während der Fahrt kippt auf einmal der Sattel nach hinten weg. Jetzt habe ich eine Art stark verkürzten Bananensattel wie ich ihn früher auf meinem Bonanza-Rad hatte. Nur war der bequemer, weil er eben länger war. Ich packe das Werkzeug aus, um diese Hightech-Sattelstütze mit Parallelogramm-Dämpfung und Sattelwippe zu reparieren. Am Anfang der Tour gab es ein Problem am unteren Ende⬇️ der Sattelstütze mit der Sattelklemme, jetzt gibt es ein Problem am oberen Ende⬆️ der Sattelstütze mit der Sattelklemme. Irgendwie hat es die beiden sogenannten inneren Sattelklemmen verschoben. Damit kann ich den Sattel in einer geraden Position nicht mehr festschrauben. Gut, dass es nur noch 25 Kilometer bis zum heutigen Etappenziel sind. Ich schraube den Sattel mit meinem Reisewerkzeug fest, aber so richtig wird das nichts. Die inneren Sattelklemmen lassen sich nicht einstellen. Wenn ich nicht vorne auf der Sattelspitze sitze, kippt er wieder nach hinten. Beim Bergauffahren ist der nach hinten gekippte Sattel noch einigermaßen zu ertragen, aber auf der Geraden ist es eine Qual😫. Bis zu meinem Etappenziel halte ich mehrmals an und drücke die Sattelspitze wieder nach unten.

"Gut, dass ich so früh weggefahren bin"😀, denke ich mir. Als ich an meinem Etappenziel in Neumarkt am Rennsteig ankomme. Bei der Durchfahrt des Ortes fällt mir auf, dass die Häuser mit Schieferschindeln vertäfelt sind. Der Rennsteig ist übrigens ein etwas 170 Kilometer langer Wanderweg.

 

Somit komme ich um die Mittagszeit im Hotel Kammerweg an. Die freundliche Dame an der Rezeption meint, dass mein Zimmer erst um 14:00 Uhr bezugsfertig ist. Da denke ich mir "schlecht, dass du heute morgen so früh aufgestanden bist."☹️

 

Der Rennsteig ist übrigens ein etwas 170 Kilometer Fernwanderweg.

 

Ich nutze die Zeit und baue den Sattel und die Befestigungsteile ab. Der freundliche und hilfsbereite Hausmeister leiht mir sein Werkzeug. Ich klopfe die inneren Sattelklemmen raus und drücke sie in einer vernünftigen Position wieder ein. Dann befestige ich den Sattel wieder. Das muss morgen halten, sonst werde ich für die Hersteller die Wiedereinführung der Pfählung👺 beantragen, damit sie wissen was sie da auf den Markt gebracht haben. Ich scheine laut Internet übrigens nicht der Einzige mit diesem Problem zu sein.

 

 

Der kleine Bayer gibt natürlich auch wieder seinen Senf dazu und meint "Sch..ßgl.mpv.rr.ckts!" Da kann ich ihm nicht widersprechen.

 

Ich genehmige mir ein Stück leckeren Kuchen und eine Tasse Milchkaffee und dann ist mein Zimmer fertig. Schön groß ist es und mir fehlt nichts.

 

Dir freundliche Dame an der Rezeption empfiehlt mir noch, ich solle mein Fahrrad in den Fahrradraum stellen. Das wäre die Türe draußen links neben dem Haupteingang. Ich sage ihr, dass es da 5 Stufen hoch geht, und ich dass Gespann da unmöglich hochtragen kann. Der freundliche Hausmeister läuft mir nochmal über den Weg und empfiehlt mir, ich solle doch mein Gespann in den Technikraum stellen. Das tue ich dann auch. Dort drin herrscht eine Bullenhitze. Der Hausmeister erklärt mir, dass das beheizte Schwimmbad darunter wäre. Als ich im sogenannten Technikraum um die Ecke schaue, sehe ich, dass von dort auch die Tür hereinführt, über die laut der freundlichen Dame von der Rezeption der Fahrradraum erreichbar ist. Nun, Fahrradraum und Technikraum sind also in diesem Haus praktisch dasselbe. Es kommt nur auf die Perspektive von außen oder innen an🤣. Mir soll es recht sein - Hauptsache das Gespann steht wieder sicher.

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