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Tag 79 (18.08.2022): Von Capdenac-le-Haut nach Cahors

Tageskilometer: 81,11 Km

Tageshöhenmeter: 618 Hm

Gesamtkilometer: 4.937,30 Km

Gesamthöhenmeter: 34.240 Hm

Gesamtkilometer Schiff: 101,20 Km

 

Gestern Abend habe ich noch ein freundliches Gespräch mit der Chefin des Le Relais de la Tour, Madame Birou. Sie meint, dass ist ein wunderbares Projekt, dass ich durchführe, und sie wünscht mir alles Gute dafür. Morgen früh wird sie nicht da sein. Ihr Mann kümmert sich um alles.

 

Wie meistens packe ich das Gespann vor dem Frühstück. Vorsichtshalber packe ich die Regenklamotten außen auf den Packsack. Es sind dunkle Wolken am Himmel. Das für französische Verhältnisse reichhaltige Frühstück und den besonders guten Kaffee genieße ich, bevor ich mich von Monsieur Birou verabschiede. Auch er wünscht mir alles Gute.

 

Nach wenigen Metern will mich das Navi über einen Weg leiten, auf dem ich mir entweder das Genick breche oder völlig ins Ungewisse schiebe. Nachdem ich beides nicht mag, wähle ich einen kleinen Umweg auf einer Nebenstraße. In wenigen Minuten bin ich unten am Ufer des Lot und schaue nochmal zurück auf das malerische Capdenac-le-Haut.

Nach der Nebenstraße entlang des Lot biege ich auf die D822 ein, der ich aber nur ein kurzes Stück folge. Ich überquere den Lot auf einer Stahlbrücke, von denen mir bisher schon einige begegnet sind, die ähnlich gebaut waren.

 

Dann geht es den ganzen Tag mit ein paar kleinen Ausnahmen auf der nationalen Radroute V86: Veloroute de la Vallée du Lot, die von Mende nach Cahors führt, entlang.


Bei einer kleinen Trinkpause bemerke ich, dass das Hinterrad auf der linken Seite näher am Ausfallende ist als auf der rechten Seite. Das heißt, das Rad ist nicht gerade ausgerichtet. Da hat sich wohl bei meiner heftigen Trail-Etappe nach Lac de Graves einiges losvibriert. Ich schicke Felix, dem genialen Fahrradmechaniker vom Sport Schuster, Bilder davon. Er antwortet mit einer verständlichen Anleitung, was zu tun ist. Das Problem ist nur, dass ich nicht den passenden Torx-Schlüssel in der richtigen Größe und einen Schraubenzieher zum Öffnen der Anhängeraufnahmen dabei habe.

 

Ich fahre weiter, und es verstellt sich nichts. Morgen sollte ich eine Auto- oder Fahrradwerkstatt finden, bei der ich das Problem beheben kann. Ein Baumarkt, in dem ich das nötige Werkzeug besorgen kann, wäre auch eine Lösung.


Am Abend telefoniere ich nochmal mit Felix und er gibt mir ein paar Tipps. Jetzt bin ich etwas beruhigter.


Der Lot meandert ganz ruhig durch die Landschaft. Er scheint fast zu stehen, ja teilweise wegen des Westwindes, der die Wasseroberfläche leicht nach Osten treibt, sogar aufwärts zu fliesen. Er fliest durch flaches Land mit Flussauen und dahinterliegenden Feldern und dann wieder durch steil abfallende Felswände, an denen sich kleine Ortschaften festkrallen.

 

Mein Weg verläuft oft an diesen steilen Felswänden entlang. Teilweise liegen Steine und Felsbrocken auf der Straße, und ich hoffe, dass ich davon verschont bleibe. Das Wetter bleibt weiterhin angenehm bei 17o C bis 18o C. So läßt es sich wunderbar dahinradeln.


Die Bäume auf den Hängen sind teilweise bunt gefärbt. Ich bin mir nicht sicher, ob das von der Hitze der letzten Wochen oder vom anstehenden Herbst kommt. Für letzteres ist es eigentlich noch zu früh.

 

Insgesamt ist die Gegend dünn besiedelt, aber landschaftlich sehr reizvoll. Mein Weg führt mich bergauf und bergab, sodass die Fahrt kurzweilig ist. Noch vor Mittag komme ich in Cahors, das sozusagen die Hauptstadt des Départements Lot ist, an. Ich spüre zum ersten Mal, dass ich jetzt im Süden, im mediterranen Frankreich angelangt sind. Die Menschen schauen südländich aus und es herrscht ein wenig Gewusel auf den Straßen. Die Stimmung ist irgendwie urlaubsmäßig, so wie ich es aus Italien kenne.

Ich komme natürlich viel zu früh im Hotel Ibis Budget Cahors an. Die freundliche Dame an der Rezeption erklärt mir, dass ich erst um 13:30 Uhr einchecken kann.

 

Ich nutze die Zeit, um mir das Problem mit dem Hinterrad des Fahrrads anzuschauen, aber ohne das richtiger Werkzeug kann ich da nichts ausrichten.

 

Irgendwann kommt die freundliche Dame raus, um mir mitzuteilen, dass mein Zimmer fertig ist. Das Gespann darf ich in einen abgeschlossenen Lagerraum stellen, wo ich das Fahrrad sogar laden kann.

 

Ansonsten mache ich heute nichts mehr, außer nochmals zu schauen, was ich mit dem Hinterrad machen kann.

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Kommentare: 4
  • #1

    Janine und co (Donnerstag, 18 August 2022 22:11)

    Lieber Wolfgang, wir drücken die Daumen, dass das Hinterrad bis zur nächsten check- bzw Reparatur-Möglichkeit durchhält U weder aus dem " Rahmen" fällt noch dich bzw deine Fahrt beeinträchtigt. Lg

  • #2

    Wolfi (Freitag, 19 August 2022 06:18)

    Hallo ihr Drei,
    vielen Dank für eure Wünsche, und dass ihr mich so treu in meinem Blog verfolgt.. Das mit dem Rad wird schon werden. Bis bald!
    Liebe Grüße

  • #3

    Martina (Freitag, 19 August 2022 08:43)

    Hallo Wolfi,
    trotz Wolken wieder eine tolle Landschaft, die man vom Fahrrad aus viel intensiver wahrnimmt als vom Auto aus! Heute früh zeigt sich in Unterschleißheim der Herbst, kühl, grau, wolkenverhangen – das richtige Wetter um ein paar liegengebliebene Dinge zu erledigen und zu bügeln, ohne dass man zerfließt �
    Ich hoffe, Du konntest den Reifen geraderücken und hast eine trockene Weiterfahrt!
    Lieben Gruß und bis morgen früh �

  • #4

    Wolfi (Freitag, 19 August 2022 19:30)

    Hallo Martina,
    da hast du sehr recht, dass man alles viel intensiver wahrnimmt. Dieses langsame Reisen hast schon was.es entschleunigt und beruhigt. Ab Morgen soll es wieder wärmer werden, aber nicht heiß.
    Das Problem mit den Hinterrad könnte ich - Gott sei Dank - lösen.
    Jetzt wünsche ich dir ein schönes Wochenende.
    Liebe Grüße