· 

Tag 85 (24.08.2022): Erholungstag, Besorgungen und Wartung in Biarritz

Tageskilometer: 0,00 Km

Tageshöhenmeter: 0 Hm

Gesamtkilometer: 5.303,65 Km

Gesamthöhenmeter: 36.629 Hm

Gesamtkilometer Schiff: 101,20 Km

 

Das Rätsel um die Pflanze aus meinem Blogbeitrag vom 21.08.2022 ist gelöst. Thomas hatte einen Lösungsvorschlag . Ich habe mir Bilder von der Pflanze im Internet angeschaut, und es ist genau diese Pflanze. Es ist Sorghumhirse. Lieber Thomas, wenn ich wieder daheim bin, machen wir ein Biertasting durch die europäischen Bierstile. Das wäre zu gewinnen gewesen, wenn mir jemand die richtige Antwort in meinem Blogeintrag vom 12.08.2022 geliefert hätte, in welchem Département und in welchen Arrondissement ich dort gewesen bin, aber das wollte anscheinend niemand; selber schuld.

 

Das Best Western Plus Hôtel Littèraire Jules Verne hat meine Wäsche waschen lassen. Wasser und Waschmittel müssen in Biarritz ein teures Gut sein. Für den Preis muss auch ein Chaffeur die Wäsche hingebracht und wieder abgeholt haben, damit ihr ja nix passiert.

 

Ansonsten bietet das Hotel ein tolles Ambiente zum Thema Jules Verne, einen immer freundlichen und hilfsbereiten Service, ein tolles Frühstücksbuffet und man ist in 5 bis 10 Minuten im Stadtzentrum. Negativ ist der sehr kleine Fahrradparkplatz in der Garage und das zwar wunderschön eingerichtete aber doch sehr enge Zimmer.

 

Apropos Jules Verne. Diesen Schriftsteller wird wohl jeder kennen und vielleicht auch schon die Verfilmung so toller Erlebnisse wie "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde, 20.000 Meilen unter dem Meer oder In 80 Tagen um die Welt" gesehen haben. Mich haben diese Filme schon als Kind fasziniert und ich finde sie immer noch sehenswert. Das war zu seiner Zeit schon Science Fiction vom Allerfeinsten.


Am Vormittag unternehme ich noch einen Stadtbummel, bei dem ich mir nochmal ein Sonnenschutzmittel kaufe. Das jetzige ist bald zu Ende. Ich finde ein Reformhaus, in dem ich einen Bio-Sonnenschutzspray LFS 50+ finde. Da schlage ich gleich zu, denn Pumpspray heißt schon mal, keine schmierigen Finger zu bekommen. Ich bin schon sehr gespannt. Ein Streifzug durch die Galeries Lafayette bringt mir modetechnisch keine neuen Erkenntnisse. Aber gibt es überhaupt noch Modetrends? Ich habe das Gefühl, dass es seit einigen Jahren solche Trends nicht mehr gibt. Jeder kann tragen, was er will. Ich find's gut so.

 

Das Gespann bekommt, wie immer an den Erholungstagen, einen kleinen Kundendienst. Ich pumpe alle Reifen nach, öle die Kette und mache eine Sichtkontrolle ob alles in Ordnung ist.

 

Wieder zurück im Hotel, mache ich mich an die Reiseplanung und Buchung der Unterkünfte. Dabei schmeiße ich einige Dinge der Grobplanung über den Haufen, weil mir die Routen zu unsicher erscheinen, was den Untergrund angeht. Mit einiger Tüftelei werde ich aber fündig und hoffe, dass das soweit passt. Naja, Überraschungen hatte ich ja schon mehrmals und wer weiß, ob da nicht noch die eine oder andere auf mich wartet.

 

Nachmittags bekomme ich meine zweite Massage. Ich kann nur wiederholen, dass das eine supertolle Idee meiner Frau war. Die Dame, die die Massage durchgeführt hat, versteht ihr Handwerk vorzüglich.

Morgen verlasse ich Frankreich, das 7. Land auf meiner Tour de Chirurgie. Nach meinen schlechten Erfahrungen als Jugendlicher und junger Mann ist das das erste Mal, dass ich wieder in Frankreich bin; und dann gleich so hautnah mit dem Fahrrad.

 

Ich bin also von Deutschlands äußerstem Südwesten quer durch Frankreich zu dessen äußersten Südwesten gefahren. Das sind ungefähr 4,5 Breitengrade oder 500 Kilometer, natürlich nur in Nord-Süd-Richtung. Diese habe ich deutlich wahrgenommen. Ganz vereinfacht gesagt wird es in Richtung Süden immer mediterraner, südländischer, weniger wohlhabend; so wie viele von uns auch das Nord-Süd-Gefälle in Italien kennen.

 

Welche Erfahrungen und eindrücke habe ich generell in Frankreich gesammelt?

 

Zuerst einmal ist Frankreich landschaftlich ein wunderschönes Land. Ich durfte hunderte von Kilometern auf hervorragend ausgebauten Fahrradwegen und entlang von Flüssen und Kanälen durchs Land fahren. Das ist wohl einmalig.

 

Die Fremdsprachenkenntnisse der Franzosen kann ich nur als katastrophal bezeichnen. Selbst jüngere Menschen sprechen nicht gut Englisch, aber auch keine anderen Sprachen. Ich habe viele Franzosen getroffen, denen das peinlich ist, und die diesen Missstand auf die schlechten Lehrer und den späten Beginn im Alter von 11 Jahren (!) zurückführen. Dass die Franzosen bei der Einführung der EU so extrem darauf gedrungen haben, dass Französisch offizielle Amtssprache wird, kann ich damit gut verstehen. Ich frage mich, wie dieses Land in der internationalen Staatengemeinschaft kommuniziert.

 

Die Menschen tun aber mit Freundlichkeit und Entgegenkommen, was ich aus früheren Jahren ganz anders in Erinnerung habe, alles, damit man irgendwie zusammenkommt. Das klappt dann auch. Nichtsdestotrotz habe ich mich in Frankreich auf Grund der Sprachbarriere mehr oder weniger isoliert gefühlt. Während ich mich in Skandinavien mit den Menschen über alle Themen locker  unterhalten konnte, war in Frankreich nur ein minimaler Austausch möglich. Die Smartphones mit Übersetzungs-App, die wir uns gegenseitig unter die Nase gehalten haben, waren sehr hilfreich.

 

Wenn ich mich mal ausgiebig unterhalten konnte, so wie mit Stépane in Digion, dann beschäftigen die Menschen die gleichen Probleme wie überall, wo ich zuvor war: Krieg, Klimawandel, Migration und E-Mobilität.

 

Was das Essen angeht, bin ich von Frankreich enttäuscht. Es waren eigentlich Ausnahmen, von denen ich sage: "Das war richtig guten Essen." Quer durchs Land standen immer wieder dieselben Gerichte wie Blattsalat mit Hühnermägen, Fleischspiese mit Blattsalat, Burger und fast zu jedem Gericht Pommes Frites auf dem Programm. Oftmals gab es vorgefertige Menüs, aber keine große Auswahl. Ich bin kein Kostverächter. Wenn etwas gut gemacht ist, esse ich es. Aber diese Küche war für meine Begriffe einfallslos. Gerade im hochgelobten Land der angeblichen Gourmets hätte ich eine extravagante Küche erwartet. Ach ja, ab und zu stand Entenstopfleber auf der Speisenkarte - die könnt ihr euch sparen!

 

Im Süden des Landes bin ich auf Stierkampfarenen gestoßen. Die sind meiner Meinung nach auch überflüssig wie ein Kropf.

 

Wer ein Auto hat, das ihm lieb und teuer ist, sollte damit nicht unbedingt nach Frankreich fahren. Die Autos in Frankreich sind größtenteils alt. Aber fast alle Autos sind verbeult. Ich habe live mehrere Ein- und Ausparkmanöver beobachtet. Das Auto der anderen oder irgendwelche Stempen dienen echt als Orientierungshilfe, indem man einfach leicht dagegenfährt.

 

Wohlstand konnte ich keinen feststellen. Insgesamt kam mir Frankreich als "einfaches" Land vor mit alten durchaus reizvollen  Häusern und eher kleinen Autos.

 

Franzosen haben einen sehr großen Nationalstolz. Das war oftmals zu spüren. Aufgrund meiner Erfahrung sage ich Vive la France - von mir aus gerne. Ich bin auch stolz auf mein Land. Aber die Zeiten einer Grand Nation sind für meine Begriffe schon einige Zeit vorbei.

 

Ich bin froh, dass ich einen kleinen Teil Frankreichs erleben durfte, um mir selbst einen Eindruck zu machen. Mein Favorit ist es allerdings nicht.

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Thomas (Mittwoch, 24 August 2022 23:59)

    Hi Wolfi, zum Biertasting sage ich natürlich nicht nein. Freu mich schon!
    Viele Grüße und gute Fahrt nach Spanien!

  • #2

    Martina (Donnerstag, 25 August 2022 06:41)

    Hallo Wolfi,
    wow, auch Frankreich schon geschafft! Tolle Landschaften, die Lust machen, dort zu radeln! Und wenigstens gab es die letzten Tage auch leckeres Essen, eher italienisch als französisch, aber das ist ja erst mal egal. In Spanien wird es sprachlich vermutlich nicht viel besser fürchte ich… wobei ich auch erst mit 10 angefangen habe, englisch zu lernen in der 5. Klasse, finde es also keine gute Ausrede für das schlechte Englisch in Frankreich…
    Bin gespannt auf Spanien und wünsche dir eine erfolgreiche Weiterfahrt.
    Lieben Gruß

  • #3

    Wolfi (Donnerstag, 25 August 2022 14:09)

    @Thomas: Schick mir doch an meine Mobilfunknummer (steht im Impressum) deinen Kontakt. Ich freue mich schon auf unser Biertasting.
    Liebe Grüße
    @Liesl
    Jetzt habe ich Frankreich hinter mir, und es war interessant, das Land mal ein bischen kennenzulernen. Jetzt schu ma halt mal, was die Hombres so zu bieten haben.
    Liebe Grüße