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Tag 86 (25.08.2022): Von Biarritz nach Beintza-Labaien

Tageskilometer: 81,31 Km

Tageshöhenmeter: 1.021 Hm

Gesamtkilometer: 5.384,96 Km

Gesamthöhenmeter: 37.650 Hm

Gesamtkilometer Schiff: 101,20 Km

 

Vor dem Frühstück packe ich die Packtasche noch auf den Anhänger, lasse das Gespann aber in der Tiefgarage stehen. Der Wetterbericht hat Regen angesagt. Ein äußerst fröhlicher älterer Herr hat heute im Hotel Morgendienst. Ich frage ihn, ob es jetzt dann bald regnet. Er schaut mich an und sagt lächelnd "No, and in Spain it never rains." Ich frühstücke erstmal, schau dann kurz raus und entscheide mich die Regenklamotten außen auf dem Packsack zu packen. Es schaut wirklich nicht nach Regen aus.

 

Nach einer kleinen schläfrigen Pause ist das Navi auch bei der Sache, und wir fahren um 7:30 Uhr los. Nach ca. 10 Kilometer will das Navi, dass ich auf dem EuroVelo 1 bleibe, der an dieser Stelle jedoch unfahrbar ist. Ich entschließe mich kurzerhand, auf den N auszuweichen, um später wieder auf den EuroVelo 1 zu stoßen.

 

Ich radle so dahin und komme an einem menschenleeren Strand mit Blick auf den weiten Atlantik vorbei. Ich denke mir, was für ein Glück ich habe. Wer kann schon von sich sagen, dass er um 8:00 Uhr morgens so schön dahinradeln kann. Zugleich denke ich an die vielen Menschen, denen es im Moment nicht so gut geht, die vielleicht zuhause oder in irgendeinem Krankenhaus liegen.

 


Der EuroVelo 1 geht steil bergauf, dann wieder genauso steil bergab, dann geht's wieder um 180o um eine Kurve. Das geht so dahin, bis ich Saint-Jean-de-Luz erreiche. Von weitem habe ich schon einen herrlichen Blick auf die Hafeneinfahrt und den Strand mit den dahinterliegenden Häusern. In dem kleinen Ort istz es noch ruhig. Die Leute trinken ihren Kaffee und essen ein Croissant dazu. Ich überquere die Brücke die über die Nivelle führt.

 

Nach Saint-Jean-de-Luz fahre ich ungefähr 10 Kilometer auf der D912 bis Hendaye. Dabei fahre ich immer an der steil abfallenden Küste entlang. Links von mir ist es hügelig und grün.

In Hendaye geht es extrem steil bergab auf die Hauptstraße. Das Navi sagt links und ich fahre links. Von weitem sehe ich auf der Gegenfahrbahnschon eine großes Polizeiaufgebot mit Blaulicht. Es ist die spanische Guardia Civil, die Grenzkontrollen durchführt. Ich verfolge das sehr aufmerksam, noch dazu die Einheit sehr militärish mit Uniform und Maschinengewehren dasteht.

 

Bei der Gelegenheit habe ich garnicht richtig mitbekommen, dass ich mit der Überquerung des Flusses La Bidassoa (französisch) / Bidasoa (spanisch) Frankreich verlassen habe und in Spanien angekommen bin. Die Grenze zwischen beiden Ländern verläuft genau in der Mitte des Flusses. Jetzt verlasse ich den Atlantik und fahre ins Landesinnere.

 

Nachdem ich wieder auf den EuroVelo 1 eingebogen bin, tippt mir der kleiner Bayer auf die Schulter und fragt: "Was moanst zu Frankreich?" Ich zucke mit den Schultern, aber der kleine Bayer legt los: "Oiso, guade Gebäckstückl hams scho, aba koane Brezn." Dann legt der kleine Bayer noch ordentlich nach und meint "Weißwürscht hams a koane, koan Leberkäs, koan Schweinsbrat'n." Ich sage "Stop, das holen wir alles dahoam nach, am besten in Gesellschaft mit guten Freunden." Da grinst der kleine Bayer, und weil er es nicht lassen kann, haut er noch einen raus und sagt "Und g'schwolln daherreden deans a. Rue de la Gare - des is desweg'n a nix anders wia a Bahnhofstraß' -basta." Ich denk mir "Du hast ja recht!" und fahr einfach weiter.


Der EuroVelo 1 empfängt uns in Spanien mit Asphalt. Ich fahre rechts des Flusses Bidasoa. Der Asphalt hört irgendwann auf und wird zum Feldweg. Ist auch nicht weiter schlimm, denke ich mir. Doch dann kommt ein Abschnitt, auf dem Schieben angesagt ist. Ich hoffe, dass es dahinter wieder normal weitergeht, und es wird wieder ein befahrbarer Feldweg; zwar mit vielen tiefen Schlaglöchern, aber befahrbar.

 

Ab und zu kommt mal ein Tunnel, von deren Decke das Wasser mal schwächer, mal stärker heruntertropft. Einige Tunnel sind ziemlich lang und dunkel. Der Clou ist jedoch, dass bei Einfahrt in den Tunnel über einen Bewegungsmelder das Lecht eingeschaltet wird. Das ist zwar nicht gerade hell, aber besser wie nichts. Zudem ist mein Fahrrad mit einem Fernlicht ausgestattet, dass doch für eine recht ordentliche Sicht sorgt.

 

Wie im französischen Teil des Baskenlandes, ist auch im spanischen Teil alles zweisprachig ausgeschildert, nur eben spanisch und baskisch. Die Baskische Sprache ist etwas ganz Besonderes innerhalb der Sprachen Europas. Ich kann nur sagen, dass sie von vielen "x" und "z" geprägt ist und auf mich unaussprechlich wirkt.


Ab Sunbilla wird die Landschaft weiter und gibt Blicke auf die umstehenden Hügel frei. In Doneztebe / Santesteban verlasse ich  den Fluss Bidasoa und radle am Fluß Ezpelura entlang.

 

Bald geht es die Straße NA-4040 teilweise steil bergauf. Lange Zeit konnte ich heute kein Fotomotiv finden, weil ich immer eingeschlossen von hohen Bergen und Felswänden am Fluss entlang fuhr. Nach den raschen Höhengewinn habe ich ein paar wunderschöne Ausblicke auf die grüne, wilde Landschaft. Es gibt nur wenig Landwirtschaft, ansonsten ist alles sehr naturbelassen.


Kurz vor Mittag komme ich an meinem heutigen Etappenziel Beintza-Labaien an. Damit bin ich in der spanischen Provinz Navarra und der Autonomen Gemeinschaft Baskenland wie es in Spanien heißt, angekommen.

 

Dort habe ich mich im Gasthaus Labaiengo Ostatu eingebucht. Ich werde freundlich von einem jungen Mann aus Ecuador empfangen, der nur Spanisch spricht. Wir greifen also wieder zum Smartphone mit Übersetzungs-App. Als erstes entschuldigt er sich, dass mein Zimmer noch nicht fertig ist, und lädt mich zur Entschädigung auf ein Bier ein. Das Voll-Damm, laut Etikett "Das Original Märzenbier", dem Aromahopfen aus der Hallertau hinzugefügt wurde, hat es in sich. 7,2% ist mal eine Hausnummer für ein Märzen. Schmecken tut es wirklich gut, aber zu früh für so ein Bier.

 

Nachdem ich mein Zimmer bezogen und mich geduscht habe, gibt es Essen. Flambierte Gambas in Whiskey-/Knoblauchsoße und Hühnchen mit Pommes Frites; leider beider viel zu fett. Das Öl schwimmt regelrecht in den Tellern.

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Kommentare: 2
  • #1

    Dieter (Donnerstag, 25 August 2022 17:34)

    Servus Wolfgang

    Jetzt hast du das letzte Land auf deiner Reise erreicht. Die ganzen Eindrücke die du während der Reise erlebt hast und noch erleben wirst werden noch einige Zeit in deinem Kopf herumschwirren und einige Monate/Jahre noch nachwirken. Ich finde es sehr schön das du immer wieder mal an Menschen denkst denen es nicht so gut geht.
    Ich muß dich auch bewundern wie du jeden Tag deine Eindrücke schilderst und zu "Papier" bringst. Mit am besten gefällt mir aber, der kleine Bayer, immer ein bißchen am nörgeln :).

    Viele Grüße Dieter

  • #2

    Wolfi (Donnerstag, 25 August 2022 17:57)

    Servus Dieter,
    ja, meine Tour wird ein unvergessliches Erlebnis werden und bleiben. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Tour machen kann. Das ist ein nicht selbstverständliches Privileg.
    Der kleine Bayer ist einfach ein liebevoller Grantler, der schon recht ist, so wie er ist.
    Ich freue mich immer wieder, dass du so ein teurer Leser meines Blogs bist.
    Bis bald und liebe Grüße