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Tag 90 (29.08.2022): Von Burgos nach Palencia

Tageskilometer: 100,29 Km

Tageshöhenmeter: 960 Hm

Gesamtkilometer: 5.762,77 Km

Gesamthöhenmeter: 42.318 Hm

Gesamtkilometer Schiff: 101,20 Km

 

Der gestrige Abend war noch sehr vergnüglich. Ich war nochmals im Pancho. Während ich vor der Tapas-Bar mit meiner Frau telefoniere, setzt sich ein Pärchen an den Platz, an dem ich mittags so gemütlich gesessen war. Da wäre ich gerne wieder gesessen, weil er direkt am Eingang gelegen ist, und man mitbekommt, was sich auf der kleinen belebten Straße so tut. Naja, dann setze ich mich eben neben die beiden. Das Personal wurde, bis auf den Chef, komplett durchgewechselt. Was mir auffällt ist, dass alle Leute hinter der Bar, und das sind immerhin 6, 50+, wenn nicht sogar 60+ sind. Sie sind flink und wissen genau was sie tun.

 

Eine Frau spricht mich in Spanisch an. Ich verstehe nur Bahnhof. Die Frau von dem Pärchen, dass sich auf "meinen" Platz gesetzt hat, bemerkt unsere Sprachprobleme und dolmetscht freundlich in Spanisch und Englisch. Jetzt bin ich im Bilde. Bei den Tapas kann man generell kleine oder große Portionen oder eine genaue Anzahl bestellen. Die Karte, die mir der Chef am MIttag gegeben hatte, ist eine Faltkarte, in der alle Tapas mit Bild aufgeführt sind, die es zu bestellen gibt. Das ist praktisch. Ich brauche nur auf eines der Bilder zu zeigen und mit den Fingern anzeigen, wieviele ich davon möchte. Die freundliche und temperamentvolle Bedienung und ich verstehen uns. Neben dem Rotwein serviert sie mir einen Gang nach dem anderen, den ich mir aussuche. Zwischendurch fragt sie mich immer wieder, wie es mir schmeckt. Jedes Lob von mir zaubert ihr ein breites Lächeln ins Gesicht - wie schön!

 

Ich komme mit dem Pärchen neben mir ins Gespräch. Es sind Greg und Eileen, ursprünglich aus New York, jetzt aber in Marbella daheim. Seitdem sie in Marbella daheim sind, erkunden sie immer wieder mal einen anderen Teil Spaniens. Jetzt ist Burgos und Umgebung dran. Sie genießen Spanien, wollen wissen wo ich herkomme und was ich mache. Ich erzähle ihnen von meiner Tour und zeige ihnen die Website. Sie sind schwer beeindruckt, und reden lange mit mir über das Projekt. Sie finden es fantastisch, dass ich mein eigenes Vergnügen mit dem Spendenprojekt für die Stiftung Chirurgie TU München kombiniert habe. Irgendwann verabschieden sie sich. Ich trinke noch ein Gläschen Rotwein. So schön war's schon lange nicht mehr.

 

Das was ich hier in Burgos auf meinem Streifzug durch die Stadt und hautnah im Pancho erleben durfte, nenne ich schönste spanische Wirtshauskultur. Für mich ist Burgos das Bamberg Spaniens - gute Getrtänke, gutes Essen und geselliges Beisammensein drinnen und draußen.

 

Ich habe mich gestern dazu entschieden, die Tour umzuplanen. Der EuroVelo 1 ist  ja teilweise deckungsgleich mit dem Camino Frances, also dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Mir sind darauf zum einen zuviele Wander-Pilger unterwegs, zum anderen ist er mir oftmals viel zu ruppig, als dass ich kilomterlang darauf dahinholpern möchte. Ich entschließe mich kurzerhand, die Tour zur Rennradtour umzuplanen. Damit ist die Etappe zwar 9 Kilometer länger, es geht aber ausnahmslos über asphaltierte Straßen.

 

Heute morgen fahre ich nach dem anständigen Frühstück um 7:15 Uhr los. Es bleibt jetzt am morgen immer länger dunkel. Ich bion schon gespannt, wie sich das so weiter entwickelt.

 

Schnell bin ich über die zweispurigen Fahrradwege aus der langsam erwachenden Stadt Burgos draußen. Noch bevor ich Burgos verlasse beginnt schon der erste längere Anstieg zum Wachwerden auf der BU-P-1001.


Bei Presencio biege ich in Richtung Nordwesten ab und fahre bis Villaquirán de los Infantes. Dort überquere ich die Autobahn E-80, die von Lissabon bis ins türkische Gürbülak an der iranischen Grenze führt. An der hügeligen Landschaft und der totalen Einsamkeit ändert sich nichts.

 


Über teilweise lange und steile Anstiege führt mich mein Weg auf einsamen Nebenstraßen bis nach Astudillo. Genauso lange und steil wie es bergauf geht, geht es auch gerade dahin oder in schnellen Abfahrten wieder nach unten.

 

Es ist nichts, aber auch wirklich garnichts, außer der Wind zu hören.

 

Wenn ich mal durch eine der sehr dünn gesäten Ortschaften fahre, bestehen diese aus Häusern in einem erbärmlichen Zustand. Menschen sehe ich nirgends. Teilweise höre ich lautes Hundegebell, dass mich bisher durch ganz Spanien begleitet.

 

Das Einzige, was wirklich bestaunenswert ist auf der Hochebene der Meseta, sind die Windparks, die eine enorme Ausbreitung haben. Ich fahre stundenlang an ihnen vorbei.

 

In Astudillo biege ich auf die P-405 ab.


War es den ganzen Tag über schon eher bedeckt, und die Sonne schien nur auf ausgewählte Flächen, verdunkelt sich der Himmel 20 Kilometer vor meinem heutigen Etappenziel mehr und mehr. Bis nach Palencia sind es noch 15 Kilomter. Ich lege nochmals eine kurze Trinkpause ein, die ich dringend nötig habe. Die Trinkpause ist mir jetzt lieber, als wenn es später tatsächlich regnen sollte.

 

Und es sollte regnen und zwar heftig. Der Wind war ja während der gesamten Fahrt bis hierher schon lebhaft, und kam aus südwestlicher Richtung, wo ich ja hinfahre. Jetzt wird der Wind zum Sturm und es beginnt heftig zu regnen. Der Wind peitscht mir den Regen auf die Haut, dass es sich wie Nadelstiche anfühlt. Und weil das noch nicht genug ist, muss ich höllisch aufpassen, dass der Wind, der in der Zwischenzeit zum Sturm geworden ist, mich nicht samt dem Gespann von der Straße bläst.

 

Es überholt mich eine Streife der Guardia Civil. Die Beleuchtung an meinem Gespann ist besser als die eines jeden in die Jahre gekommenen spanischen Autos. Die Herrn haben anscheinend nichts zu beanstanden, und überholen mich in gebührendem Abstand. Bei dem Wetter hätte ich allerdings auch nicht aus dem Auto aussteigen und eine Verkehrskontrolle durchführen wollen. Jetzt kommen noch Blitz und Donner dazu. Ich mache mir ernsthaft Gedanken. Auf dem Gespann bin ich bestimmt erste Wahl für einen Blitzeinschlag. Ich wüßte allerdings auf der offenen Strecke nicht, wo ich mich geschützt unterstellen sollte; keine Brücke, kein Haus, eben nichts.

 

5 Kilometer vor meinem Etappenziel hört der extreme Sturm, der Regen und das Gewitter auf. Ich fahre an einer Streife der Policia vorbei, und auch die hat anscheinend nichts zu bemängeln.

 

Völlig durchnässt und auch etwas ausgepowert komme ich an meiner Unterkunft, dem Eurostar Diana Palace an. Die letzten 12 Kilometer bin ich Vollgas gefahren, um diesem extremen Unwetter zu entkommen. In der Unterkunft angekommen, ist aber wieder alles im Lot.


Ich habe die Tour weg vom EuroVelo 1 geplant. Dadurch war die Fahrt völlig entspannt auf asphaltierten Straßen. Außerdem waren diese so gut wie nicht befahren, und ich habe wunderschöne Landschaften genießen dürfen. Ich werde bei meiner weiteren Detailplanung der Etappen darauf achten, ob ein offizieller EuroVelo die beste Wahl ist oder eben eine Alternativroute. Das hatte ich ja schon in Schweden mit den Routenführungen über die Autobahn E4.

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Kommentare: 4
  • #1

    Janine (Montag, 29 August 2022 22:15)

    Da wünsche ich dir schnell wieder einen Wechsel zu Rotwein und Tapas...�

  • #2

    Wolfi (Montag, 29 August 2022 22:25)

    Hallo Janine,
    vielen Dank!
    Das wird sich 100%-ig finden!
    Liebe Grüße

  • #3

    Martina (Dienstag, 30 August 2022 06:41)

    Ja cool, gutes Essen und endlich mal wieder ein gutes Gespräch, so darf,es,gerne weitergehen! Hier in Unterschleissheim ist auch der Herbst angebrochen, gestern schien zwar tagsüber die Sonne und es wurde gut warm, aber frühmorgens isses echt frisch!
    Wünsche dir gute Weiterfahrt, bitte ohne Sturm und Regen, mit weiterem leckeren Essen und netten Bekanntschaften!

  • #4

    Wolfi (Dienstag, 30 August 2022 07:39)

    Servus Martina,
    als wir am Nordkap waren, hatten wir Sonnenschein und 14 Grad. Jetzt hat es dort 6 Grad. Da können wir mit einem sanften Übergang vom Sommer über den Herbst zum Winter direkt froh sein. Da oben wird es bald den ersten Schnee geben.
    Ich habe Glück, dass in Spanien die ganz große Hitze mit 40 Grad und mehr wohl vorbei ist.
    Lass es dir gutgehen!
    Liebe Grüße