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Tag 97 (05.09.2022): Von Grimaldo nach Mérida

Tageskilometer: 120,19 Km

Tageshöhenmeter: 880 Hm

Gesamtkilometer: 6.222,13 Km

Gesamthöhenmeter: 46.004 Hm

Gesamtkilometer Schiff: 101,20 Km

 

Ich habe noch einen kleinen Nachtrag zum gestrigen Thema Winnetou. Wir haben damals in der Schule den Film Fahrenheit 451 angesehen. Das ist ein beeindruckendes und nachdenklich machendes Werk zu diesem Thema.

 

Am Abend habe ich mit meinem Freund Peter telefoniert. Das machen wir alle paar Tage. Er fragt mich, ob da nicht Wehmut bei mir aufkommt, wenn die Tour jetzt bald zu Ende ist. Ich mache mir tatsächlich seit ein paar Tagen Gedanken, wie es ein wird, wenn die Tour zu Ende ist. Eines kann ich jetzt schon sicher sagen: "Auch wenn der Teil des Fahrradfahrens meiner Tour de Chirurgie abgeschlossen sein wird, geht das Projekt "Tour de Chirurgie" trotzdem weiter. Meine Freundin Sonja hat neulich im Blog kommentiert, dass ihr mein täglicher Blog abgehen wird.

 

Nachdem jetzt schon Folgeaktivitäten geplant sind, wird es auch weiterhin Blogeinträge geben, zwar nicht mehr täglich, aber doch immer wieder. Dafür werde ich unter "Aktuelles" eine Rubrik "Die Tour geht weiter" einrichten. Was ich schon mal verraten kann: Es wird einen Blogeintrag mit den Statistiken zur Tour geben und es wird ein Fazit zur Tour mit verschiedensten Themen geben. Beides dauert aber etwas, weil ich zum einen schon für andere Akltivitäten der Stiftung Chirurgie TU München eingeplant bin und zum anderen etwas (Urlaubs)-Zeit mit meiner Frau verbringen möchte. Wir haben uns ja bis auf zwei Wochenenden über drei Monate nicht gesehen, außer bei Videotelefonaten.


Heute stehen 120 Kilometer an. Also starte ich früh um 6:45 Uhr. Mein Weg führt mich heute übrigens ausnahmslos über die N-630. Es ist noch finster, aber mit dem hellen Licht am Gespann kein Problem. Ich ziehe mich genauso warm an wie gestern, denn es geht die ersten Kilometer wieder gut bergab. Ich komme am Stausee Embalse José Maria Oriol-Alcántara III, besser bekannt unter dem Namen Alcántara-Stausee an. Er ist auf der Karte meines Navis auch als riesiges Gewässer zu sehen, aber dort, wo eigentlich Wasser sein sollte, herrscht Trockenheit. Es sieht aus wie eine Mondlandschaft. Je länger ich am Stausee entlangfahre, umso mehr füllt er sich mit Wasser. Eigentlich sollte das am Stausee gelegenen Wasserkraftwerk Strom erzeugen. Ob das allerding bei diesem Wasserstand möglich ist, wage ich zu bezweifeln.

 

Nach 20 Kilometern Fahrstrecke bleibe ich stehen, und ziehe unter der Autobahnbrücke der E-803 meine Outdoorjacke aus. Die ist heute einfach zu warm. Dies ist auch die Stelle, an der der Tajo, der längste Fluss der Iberischen Halbinsel, in den Stausee mündet. Nach einigen Kilometern fließt er aus dem Stausee wieder hinaus, um dann seine Reise bis Lissabon fortzusetzen, wo er in den Atlantik mündet. Auf der Karte sieht der Tajo merkwürdig gezackt aus, weil von ihm unzählige kleine Abzweigungen weggehen, die aber in Sackgassen enden.

 

Mit der Überquerung des Tajo habe ich die drei größten Flüsse der Iberischen Halbinsel überquert, nämlich de Tajo, den Ebro und den Duero.

In Richtung Cáceres, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, geht es bergauf.

 

Die Landschaft wird wild und ungezähmt wie in einem Western-Film. Ich stelle mir vor wie auf der Eisenbahnstrecke ein qualmendes Dampfross unterwegs ist, mit einem Salonwagen für die 1. Klasse und normalen Wagen für die 2. Klasse.

 

Ich muss mir daheim wieder mal einen richtig guten Western anschauen!


Die Straße zieht sich heute endlos hin. Manchmal geht es wieder kilometerlang nur geradeaus. Die Landschaft bleibt abwechslungsreich und unendlich weit. Mal sehe ich Olivenhaine, teilweise auch angelegt, im Hintergrund höhere Gebirgszüge und oftmals staubtrockene Landschaft.

 

Zur Mittagszeit hin wird es richtig warm. Die Sonne steht hier im Süden doch noch sehr steil am Himmel. Ich spüre, dass ich langsam wieder in eine andere Klimazone Spaniens fahre.

 

Auf meinem heutigen Weg überquere ich mehrere kleinere und größere Flüsse. Nach Cáceres fahre ich über den Río Ayuela, später kurz vor meinem heutigen Etappenziel über den Río Aljucén. Von beiden Flüssen ist nichts zu sehen. Die Flussbetten sind komplett ausgetrocknet.

 

5 Kilometer vor dem Ende meiner Etappe sehe ich mein heutiges Ziel Mérida in der Ferne, die Hauptstadt der autonomen Region Extremadura. Die letzten Meter schiebe ich durch die sehr belebte Fußgängerzone. An der Plaza de España werden gerade Bühnen abgebaut. Anscheinend komme ich zu spät zu einem Fest. Ich habe mich im Hotel Ilunion Mérida Palace eingebucht. Dort werde ich freundlich empfangen und eingecheckt. Das Fahrrad darf in einem ungenutzten absperrbaren kleinen Konferenzraum parken.

 

Ich bin jetzt erstmal platt von den 120 Kilometern und freue mich auf eine Dusche und etwas Ordentliches zum Essen.

 

Ich freue mich auf Mérida. Da gibt es nämlich einiges zu sehen!

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Kommentare: 8
  • #1

    Thomas (Montag, 05 September 2022 22:31)

    Hi Wolfi, du biegst ja fast schon in die Zielgerade ein! Falls du nicht doch noch nach Tanger übersetzt und da weiterradelst ;-) Deinem heutigen Eintrag zufolge muß man sich zumindest keine Sorgen machen, daß dir nach der Tour langweilig werden wird. Schon mal vielen Dank für die ganzen tollen Bilder und deinen Eindrücken, die waren immer einen Blick in deinen Blog wert. Viele Grüße, Thomas

  • #2

    Karsten (Montag, 05 September 2022 22:57)

    Hallo Wolfgang, ich habe gestern zum ersten Mal in Deinen Blog geschaut nachdem Du mir bei den Festspielen von Deiner tollen Tour De Chirurgie erzählt hast. Die Berichte aus der letzten Woche haben mir richtig gut gefallen!
    Was mir besonders imponiert ist, dass Du jeden Tag über Deine Reise berichtest. Dadurch kann man sehr gut nachvollziehen, wie Deine Reise verläuft und welche Gedanken Dir jeweils durch den Kopf gehen. Was ich auch richtig schön finde ist Deine positive Art über schöne Dinge zu schreiben, egal ob das Landschaften, Frühstücksräume oder Innenstädte sind. Auch Deine Kommentierung der politischen Themen, die hier durch die Medien gehen, zeigen, dass Du beim Radeln auch über viele Themen nachdenken kannst.
    Du schreibst auch so schön, dass ich sicherlich auch mal die Berichte aus Deinen früheren Stationen durchlesen werde und freue mich da schon drauf.
    Was ich persönlich schön fände, wäre wenn Du das eine oder andere Selfie mit Dir im Vordergrund posten würdest. Das wäre ein bisschen abwechslungsreicher und würde uns noch mehr an Deiner Reise teilnehmen lassen. Nur so ab zu mal. Nicht ständig. Aber immer trockene Landschaften bei blauem Himmel werden dann irgendwann auch nicht mehr als interessant wahrgenommen. Auch, wenn die Bilder wirklich alle schön sind und richtig Lust darauf machen sowas auch mal zu erleben.
    Ich wünsche Dir eine ganz tolle Resttour und freue mich schon auf Deine Berichte. Bleib gesund!
    Viele Grüße
    Karsten

  • #3

    Wolfi (Dienstag, 06 September 2022 09:10)

    Hallo Thomas,
    vielen Dank für deinen schönen Kommentar, und dass du immer so treu dabei bist.
    Nein, langweilig wird mir bestimmt nicht. Da bin ich garnicht der Mensch dazu.
    Ich freue mich übrigens schon auf unser gemeinsames Biertasting. Dafür musst du mir aber Zeit geben, denn daheim warten eben Aufgaben, die erledigt werden wollen. Ich melde mich aber beizeiten bei dir und dann nehmen wir Rob noch mit dazu.
    Liebe Grüße

  • #4

    Wolfi (Dienstag, 06 September 2022 09:15)

    Hallo Karsten,
    schön, dass du dich meldest, und dass die mein Blog gefällt!
    Was die Bilder betrifft, versuche ich immer Motive zu finden, die für das Auge und somit auch für die Seele wohltuend sind. Jetzt weiß ich nicht, ob Selfies von mir für das Auge und die Seele wohltuend sind�. Wenn man, so wie ich, eine Reise mit dem Fahrrad unternimmt, bekommt man hautnah mit, wie lange sich Landschjaften mal nicht ändern. Im Auto ist das ja wie im Zeitraffer; die Landschaften fliegen an einem vorbei.
    Selfies wird es eher nicht geben, aber ich werde versuchen, bei passender Gelegenheit und beim passenden Motiv mal jem,anden zu bitten, ein Bild von mir zu machen.
    Lass es dir gutgehen und bis bald!
    Liebe Grüße

  • #5

    Ines (Dienstag, 06 September 2022 16:26)

    Hallo Wolfgang,
    Wahnsinn, wie weit Du es nun schon geschafft hast!!! Wir drücken dir für den Endspurt die Daumen und hoffen, du kannst die letzten Tage noch genießen.
    Viele Grüße
    Ines

  • #6

    Wolfi (Dienstag, 06 September 2022 17:55)

    Hallo ihr Vier,
    ja, es geht gut voran, und jetzt genieße ich meine Zeit in Mérida. Ich danke euch sehr für eure Wünsche. Mit denen und Toni� werde ich das Kind schon nach hause schaukeln, äh fahren�‍♂️.
    Genießt euren Urlaub! Wo seid ihr denn überhaupt?
    Liebe Grüße

  • #7

    Melli (Mittwoch, 07 September 2022 07:07)

    Hallo Wolfgang, wirklich toll wie weit du gekommen bist, und wir drücken dir alle Daumen für den Endspurt! Wir freuen uns schon auf das Siegerfoto! Und den Urlaub habt Ihr Euch dann so richtig verdient! PS Lust auf einen Western bekommt man da wirklich
    Liebe Grüße

  • #8

    Wolfi (Mittwoch, 07 September 2022 08:08)

    Hallo Melli,
    vielen Dank für deine Glückwünsche!
    Ich freue mich schon richtig auf die restlichen Etappen. Ich habe mich auch schon getraut, an das Foto zu denken. Wenn es soweit ist, gibt's das natürlich.
    Liebe Grüße - auch an Peter