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Tag 104 (12.09.2022): Von Algar nach Gibraltar

Blick von meinem Hotelzimmer über Algar.
Blick von meinem Hotelzimmer über Algar.

Tageskilometer: 90,02 Km

Tageshöhenmeter: 961 Hm

Gesamtkilometer: 6.638,72 Km

Gesamthöhenmeter: 50.214 Hm

Gesamtkilometer Schiff: 101,20 Km

 

Gestern Abend hatte das Hotel-Restaurant geschlossen, weil zu wenig Gäste da sind. Da behelfe ich mir mit zwei Packungen Chips und zwei kleinen Bieren. Am Morgen gibt es ein typisch schlankes mediterranes Frühstück mit einem sehr guten Kaffee. Es hat schon 24o C, als ich um 8:00 Uhr losfahre.

Da geht es heute drüber.
Da geht es heute drüber.
Es beginnen die Korkeichenwälder, die Wolken hängen tief.
Es beginnen die Korkeichenwälder, die Wolken hängen tief.
Der Parque Natural Los Alcornocales scheint undendlich zu sein...
Der Parque Natural Los Alcornocales scheint undendlich zu sein...
... wie die Eichenwälder, die darin stehen.
... wie die Eichenwälder, die darin stehen.

Heute steht die Überquerung des Parque Natural Los Alcornocales an. Der Naturpark hat eine unglaubliche Ausdehnung und weist die größten Korkeichenwälder der Iberischen Halbinsel auf. Nach wenigen Kilometern kommt der erste Anstieg über 11,3 Kilometer, weitere 4 folgen noch. Aber eine alte Radlfahrerweisheit sagt "Da wo es rauf geht, geht es auch wieder runter." Und nachdem ich heute ja ans Meer fahre muss diese Weisheit ja gleich zweimal stimmen.

 

Ich habe ja zu Beginn meiner Tour über die arktische Einsamkeit berichtet. Da kann die mediterrane Einsamkeit in dieser Gegend locker mithalten, ja sie übertrifft diese sogar noch in einem Punkt. Während ich in der arktischen Region immer ein Mobilfunknetz hatte, fahre ich hier und heute weit über eine Stunde ohne jeden Empfang; kein Mobilfunknetz und keine mobilen Daten. Ich denke mir "Passieren braucht jetzt nix, sonst wird es heißen Irgendwo im Parque Natural Los Alcornocales verschollen." Neben dem Straßenrand geht es einige 100 Meter nach unten. Noch dazu sind die Straßen nach Algar schlagartig sehr schlecht geworden. Nach den Anstiegen verleiten die Abfahrten natürlich dazu, es laufen zu lassen. Eigentlich sind die Straßen gut asphaltiert, aber ich lasse höchste Vorsicht walten, weil immer wieder gefährlicher Bodenwellen und Schlaglöcher auftauchen.

 

Nachdem ich die ganze Zeit auf der von gestern bekannten A-375 gefahren bin, biege ich auf die C-3331 ab, und folge dieser bis Jimena de la Frontera. Dort ist es laut, so wie die Spanier eigentlich generell sehr laut sind, aber das hat einen besonderen Grund. In Spanien ist heute Schulanfang. Der Bereich um die Schule ist von der Policia Local großräumig abgesperrt, damit die kleinen ordentlich singen, tanzen und spielen können; mit Speck da fängt man Mäuse.

 


Die Korkeichen sind zum Teil am unteren Ende des Stammes entrindet. Am Straßenrand sind immer wieder Lagerstätten mit den Korkrinden zu sehen, die auf LKWs aufgeladen und abtransportiert werden. Ab und zu sehe ich unten in den Niederungen Bauern, die an den Korkeichen arbeiten.

"The Rock", wie der Felsen von Gibraltar genannt wird taucht in der Ferne auf ...
"The Rock", wie der Felsen von Gibraltar genannt wird taucht in der Ferne auf ...
... und kommt näher und näher.
... und kommt näher und näher.
Der Grenzübergang auf der spanischen Seite.
Der Grenzübergang auf der spanischen Seite.

Das letzte größere Stück meines heutigen Weges fahre ich auf der A-405. Auf einmal taucht in der Ferne der Felsen von Gibraltar auf. Ich fahre noch circa 20 Minuten auf spanischer Seite. Dort ist eine sehr große Ansammlung von Industrieanlagen mit Öl- und Gas-verarbeitenden Betrieben. Davor warten im Meer große Schiffe auf ihre Abfertigung.

 

Der Verkehr wird dichter und es mehren sich die Autos mit dem Nationalitätskennzeichen GBZ für Gibraltar. Die Autos sind linksgesteuert, weil in Gibraltar Rechtsverkehr angesagt ist. Ich wühle mich durch den Autoverkehr und auf einmal stehe ich am Grenzübergang an der spanischen Seite. Man wirft einen kurzen Blick in meinen Reisepass, der im Januar 2023 ausläuft, und spricht mich bewundernd auf mein Gespann an. Dann fahre ich zum Grenzposten Gibraltars. Dort werde ich einfach durchgewunken. Damit verlasse ich Spanien und die autonome Region Andalusien nochmals.

 

Und jetzt kommt die Auflösung, warum 9 Länder: Norwegen, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland sind eh klar, also 5 Länder. Österreich hatte ich im Sinn, um meine Frau zu den Bregenzer Festspielen zu treffen, wußte aber natürlich nicht, ob ich rechtzeitig in die Gegend komme. Erst kurz vor Bamberg habe ich ihr mitgeteilt, dass Brengenz klappen wird. So war Österreich Land Nummer 7. Dann ging es planmäßig weiter durch Frankreich und Spanien. Damit wären wir bei 8 Ländern. Gibraltar ist ein Überseegebiet des Vereinigten Königreichs, und mit sehr speziellen Regeln und Kompetenzen ausgestattet. Es hat sogar eine eigene Flagge, gehört zu keinem der anderen zuvor durchfahrenen Länder, sondern zum Vereinigten Königreich. Also ist Gibraltar Land Nummer 9!

 

Ganz nebenbei habe ich doch glatt vergessen, dass ich gestern die Schallmauer von 6.500 Kilometer durchbrochen habe.

 

H U R R A - Heute gibt's was zu feiern!!!

 

🚴‍♂️🤸‍♂️🙆‍♂️ 6.500 Kilometer und 🙆🤸🚴

🥳🇳🇴🇫🇮🇸🇪🇩🇰 Land Nummer 9 🇩🇪🇦🇹🇲🇫🇪🇦🇬🇮🎊

Die Winston Churchill Ave kreuzt die Runway des Flughafens Gibraltar.
Die Winston Churchill Ave kreuzt die Runway des Flughafens Gibraltar.
Blick von meiner Unterkunft auf das Hotel- und Casinoschiff und "The Rock".
Blick von meiner Unterkunft auf das Hotel- und Casinoschiff und "The Rock".

Nach dem Grenzübergang radle ich fröhlich neben der Winston Churchill Ave auf dem Fahrradweg. Die vierspurige Straße nebst Geh- und Radweg führt genau in der Mitte über die Start- und Landebahn des Flughafens von Gibraltar. Diese überquere ich, um kurz bevor ich damit fertig bin, anzuhalten und ein Foto zu schießen. Da kommt doch tatsächlich eine Lautsprecherdurchsage "You must not stay with your bike there. Please go ahead!" Die Briten haben ja normalerweise einen lustigen Humor, aber das klang jetzt eher nicht so. Naja, ich steige auf und fahre weiter. 5 Minuten später landet ein Jet der British Airways. Ich hätte den Prozess verloren, er kam nämlich von rechts.

 

Dann fahre ich zu meiner Unterkunft. Von dort aus habe ich einen wunderbaren Blick auf das riesige Hotel- und Casinoschiff und den dahinter liegenden Felsen von Gibraltar. Es fängt nachmittags immer wieder etwas zu regnen an, aber das wird mich nicht davon abhalten, Gibraltar auf den Kopf zu stellen.

 

Ich habe mir meinen Kommentar zu Queen Elizabeth II extra für heute aufgehoben. Jetzt bin ich ja auf britischem Hoheitsgebiet. Meiner Meinung nach ist Queen Elizabeth II ein Monument in der Geschichte der Menschheit. Ihre Dienste an ihrem Volk, ihr Pflichtbewußtsein, ihr Fähigkeit, zu verzeihen und Menschen und ganze Nationen miteinander zu versöhnen und ihr Humor sind einzigartig. Wenn alle so handeln würden, wie sie es getan hat, dann würde auf der ganzen Welt der Himmel voller Geigen hängen. Also, wir sollen uns diese einzigartige Frau zum Vorbild nehmen. Darauf werde ich heute Abend in Gibraltar mein Glas erheben.

 

Während meiner gesamten Tour habe ich in meinem Blog von Vorankündigungen abgesehen. Heute mache ich eine Ausnahme!

 

Ich werde die nächsten beiden Tage in Gibraltar bleiben. Am 15. September werde ich dann, wenn alles gut geht, nach Tarifa fahren, wo das Fahrradfahren für meine Tour de Chirurgie enden wird. Ich hatte es ja schon erwähnt, dass zwar dann das Fahrradfahen für die Tour de Chirurgie erstmal abgeschlossen ist, aber deswegen das Projekt "Tour de Chirurgie" weiterlaufen wird.

 

Soweit ich es bis heute schon weiß, werde ich Termine für die Tour de Chirurgie und die Stiftung Chirurgie TU München wahrnehmen. Diese Termine sind unter Vorbehalt der 19.09., der 22.09. und der 15.10.. Andere Termine könnten noch dazukommen. Ich werde die Termine jeweils auf der Startseite bekanntgeben, und spätestens einen Tag danach einen Blogeintrag unter der neuen Rubrik "Die Tour de Chirurgie geht weiter" veröffentlichen. Also, liebe Interessenten der Tour de Chirurgie, bleibt am Ball, damit ihr nichts versäumt!

 

Un zu guter letzt gibt es noch noch eine Spende über 100 Euro, die mir Frau Dr. Westphal gemeldet hat. Damit wäre die Marke von 5.000 Euro geknackt. Das soll aber nicht heißen, dass nicht noch andere Marken geknackt werden dürfen. Also, ich freue mich über viele weitere Spenden!

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Kommentare: 12
  • #1

    Dieter (Montag, 12 September 2022 19:53)

    Servus Wolfgang

    6500 km und 9 Länder, das ist schon eine Hausnummer. Jetzt 2 Tage Erholung und dann mit Vollgas ins Ziel.

    Viele Grüße Dieter

  • #2

    Wolfgang (Montag, 12 September 2022 20:13)

    Servus Dieter,
    ich kann das noch nicht realisieren. Das mit dem Vollgas lasse ich lieber. Ich will ja heil ankommen.
    Liebe Grüße

  • #3

    Inge (Montag, 12 September 2022 20:33)

    Unser aller herzlichen Glückwunsch zu deinen erreichten Zielen!!
    Viel Freude ubd gutes Gelingen für Deinen Endspurt!
    Deine Inge & Mike

  • #4

    Wolfi (Montag, 12 September 2022 21:04)

    Hallo Inge und Mike,
    vielen Dank für eure Glückwünsche.
    Jetzt werde ich es mir in Gibraltar erstmal richtig gutgehen lassen. Euch beiden wünsche ich alles Liebe und Gute, und freue mich schon auf unser Wiedersehen.
    Liebe Grüße

  • #5

    Janine und co (Montag, 12 September 2022 21:10)

    Klasse Wolfgang, herzlichen Glückwunsch, wir freuen uns über soviele gesund überstandene 6500 km und durchquerte 9 Länder, das hat schon was�, alle Achtung. Für die letzten km wünschen wir dir auch noch gutes Gelingen. Liebe Grüße

  • #6

    Thomas Schmid (Montag, 12 September 2022 21:54)

    Gute Fahrt auf der letzten Etappe, Wolfi!! Hab‘ Dich ab und zu im Blog „verfolgt“…Respekt und Anerkennung, dass Du das so durchgezogen hast! Liebe Grüße, Thomas

  • #7

    Wolfi (Montag, 12 September 2022 21:55)

    Liebe Janine und Co,
    vielen Dank für eure Glückwünsche!
    Ja, das hat schon was, aber ich kann es noch garnicht realisieren. Das wird wohl einige Zeit dauern.
    Falls ihr nicht nicht in Gibraltar wars, dass kann ich euch wärmstens empfehlen, vielleicht mit eurem neuen tollen Boot.
    Liebe Grüße

  • #8

    Wolfi (Montag, 12 September 2022 21:58)

    Servus Thomas,
    das freut mich sehr, von dir zu hören.
    Vielen Dank für deine Glückwünsche!
    Ich hoffe, dir geht's gut, und dass wir uns daheim bald mal sehen werden.
    Liebe Grüße

  • #9

    Christoph (Dienstag, 13 September 2022 09:46)

    Servus Wolfi,
    herzlichen Glückwunsch zu den 6.500 km und naürlich auch den 5.000 EUR! Ich wünsche Dir und der Stiftung dass die letztere Zahl die von Dir geleisteten km in den Schatten stellt! (Meins habe ich sehr gerne dazu beigetragen ;))
    Beste Grüße nach UK, verpass Deinen persönlichen Brexit Richtung Spaninen nicht und genieße die letzte kleine Etappe und koste dann den Blick nach Afrika von Tarifa aus gebührend aus!

    Liebe Grüße

    (BTW: was ist denn aus Deinen Sorgen um den Rücktransport geworden? Haben sich die gelöst und ich habe es übersehen?)

  • #10

    Wolfi (Dienstag, 13 September 2022 10:48)

    Servus Christoph,
    hoffe, dir und deinen Lieben geht es gut!
    Vielen Dank für deine Glückwünsche!
    Ja, das würde mich natürlich auch freuen, wenn die Spendensumme noch ordentlich nach oben geht. Ich bin da mal zuversichtlich. Dir danke ich sehr herzlich für deine Spende.
    Gibraltar ist ein sehr spannender Ort, und ich werde die Zeit hier in vollen Zügen genießen.
    Ich freue mich schon, wenn wir uns bald wieder sehen.
    Liebe Grüße

  • #11

    Margret (Dienstag, 13 September 2022 14:54)

    ... ein RUNWAY ist halt nix zum Stehenbleiben !!!
    Pass auf Dich auf. Viel Spass für die letzte Etappe.
    LG Margret

  • #12

    Wolfi (Dienstag, 13 September 2022 15:26)

    Hallo Magret,
    hoffe, dir geht es gut!
    Naja, es waren ja noch 5 Minuten Zeit�.
    Liebe Grüße