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Tag 24 (24.06.2022): Von Härnösand nach Mellanfjärden

Tageskilometer: 128,28 Km

Tageshöhenmeter: 1.212 Hm

Gesamtkilometer: 1.600,55 Km

Gesamthöhenmeter: 12.310 Hm

Gesamtkilometer Schiff: 47,60 Km

 

Heute ist ein besonderer Tag in Schweden - Mittsommer (schwedisch Midsommer). Dazu komme ich später noch.

 

Das Frühstück im First Hotel Stadt schließt nahtlos an den hervorragenden Lunch von gestern an. Die Auswahl ist vielfältig und die Qualität sehr gut. Danach verlasse ich Härnösand und mache mich bei strahlendem Sonnenschein auf meine heutige Etappe. Die Temperaturen sind schon recht angenehm. Meine heutigen Herbergseltern Anita und Thord erkundigen sich, wann ich denn ungefähr ankommen werde. Tja, heute ist Mittsommer und da haben die Schweden so allerhand vor.

 

Schon nach wenigen Kilometern bin ich wieder auf einsamen Straßen unterwegs und genieße die Stille des Morgens. Es begleiten mich wieder wunderschöne Landschaften.

Ich habe das Gefühl, dass der schwedische König mein Donnerwetter gelesen hat, dass ich in meinem Blog-Beitrag von Tag 21 über den Zustand der Straßen in seinem Reich abgelassen habe.

 

Schon nach 10 Kilometern komme ich auf eine 20 Kilometer lange Straßenbaustelle, die mir alles abverlangt. Teilweise ist der aufgebrachte Schotter noch nicht festgewalzt und teilweise extrem holprig. Das Gespann und ich natürlich oben drauf versetzt es teilweise, dass ich mir denke, viel fehlt nicht mehr und ich steige ab. Aber abgestiegen wird erst, wenn's wirklich nicht mehr geht - und es ging🚴‍♂️.

 

So treffe ich im Laufe des Tages immer wieder auf kilometerlange Straßenbaustellen. Also, ich muss schon sagen, da hat der König mal echt schnell reagiert👍 und den Befehl gegeben die Straßen endlich mal auf Vordermann zu bringen👉 - Hut ab Majestät👑🎩!


Irgendwann erreiche ich Sundsvall, das ziemlich genau am geografischen Mittelpunkt Schwedens liegt. Dort sind zwei rießige Industrieanlagen angesiedel, die eine von SCA produziert Zellulose, die andere von Akzo Nobel chemische Stoffe. Das ist jetzt der krasse Gegensatz zur absoluten Abgeschiedenheit in Lappland und den lieblichen Landschaften in den darauf folgenden Provinzen.


Ich treffe wieder auf die berüchtigte Autobahn E4. Aber dieses Mal geht es über die Sundsvallbron und die hat einen 4 Meter breiten Fuß- und Radlweg. Da lacht das Fahrradfahrerherz. Ich kann auf der Brücke eine Pause machen und ein Foto von Sundsvall schießen. Dabei fällt mir doch glatt auf dem linken Bild unten rechts das Schiff auf. Also, wenn ich mich nicht täusche,  ist das die Hoppetosse⛵️ von Pippi Langstrumps🤸 Vater Efraim Langstrumpf. Wenn er das Ding nicht bald wieder klar bekommt, bin ich locker vor ihm in Vimmerby👅.


Ich traue es mir ja garnicht schreiben, aber das Navi lots mich nochmal für 3 Kilometer auf die E4. Eigentlich wäre die Strecke noch viel länger gewesen, wenn ich nicht einen wunderbaren Weg neben der Autobahn auf der Karte des Navis entdeckt hätte.

 

Dieser wunderbare Weg ist der Kustvägen🌞, also der Küstenweg. Dass Navi richtet sich offensichtlich lieber nach den Euro Velos der ECF, als dass es die fahrradfahrerfreundlichsten und landschaftlich reizvollsten Routen nimmt. Aber einmal mitgedacht, dann klappt's auch mit der besten Route.

 

Dort treffe ich erste Vorboten des heutigen Mittsommerfestes, einen geschmückten Traktor mit ebenfalls geschmücktem Anhänger.

 

Später habe ich einen wunderbaren Blick auf den Bottnischen Meerbusen, heute in strahlendem Azurblau. Davor liegt ein teilweise karger Wald, der mit Findlingen überzogen ist.


Kurz von 14:00 Uhr treffe ich am MON Vandrarhem von Mellanfjärden ein. Nachdem Anita und Thord nicht da sind, schicke ich ihnen eine Mitteilung. Prompt kommen sie. Sie zeigen mir alles und wir kommen ins Gespräch. Ich erkläre ihnen meine Tour de Chirurgie und sie sind sehr interessiert daran. Thord war nämlich selbst ernsthaft krank und kämpft noch mit den Nachwehen. Anita möchte noch ein Foto von mir und dem Gespann machen und den Link meiner Website haben. Sie schickt mir das Foto, ich ihr den Link zur Website. Sie antwortet sofort, dass sie und Thord sich das auf alle Fälle genau ansehen werden. Das MON Vandrarhem ist eine schnucklig eingerichtete Übernachtungsmöglichkeit ohne Verpflegung. Alles ist blitzblanksauber und ordentlich. Zudem liegt es völlig abgeschieden im Wald. Ich fühle mich wohl.

 

So ganz nebenbei bin ich damit in der Provinz Gävelsborg län gelandet.


Nach der heutigen Tour habe ich ordentlich Hunger. Ich versorge das Fahrrad, dusche und fahre dann die 1,5 Kilometer zurück in den Ort Mellanfjärde. Ja, es ist Mittsommer! Überall wehen schwedische Fahnen. Die Autos sind mit Birkenzweigen am Kühlergrill geschmückt. Die Menschen, teilweise mit Blütenkränzen auf dem Kopf geschmückt, sitzen beisammen und unterhalten sich angeregt. Es wird Musik gemacht, getanz und es werden Spiele wie "Wer fliegt zuerst von einem Balken ins Wasser " gespielt. Die Stimmung ist richtig relaxed und fröhlich. Mittwommer ist ein Fest mit der gesamten Familie und mit Freunden.

 

Ich schlendere ein bischen rum und entdecke Mellanfjärdes Diner. Ich gehe hinein und es duftet nach Fisch, Käse, Brot und allem möglichen und die Auslage verlangt förmlich danach, zuzugreifen. Nachdem mir der freundliche Inhaber die Speisekarte in englisch erklärt hat, entscheide ich mich für einen Lachsburger mit Chips und einem IPA. Ich setze mich nach draußen und genieße einfach die lockere Atmosphäre und das leckere Essen.

 

Frisch gestärkt verwöhne ich mich noch im Dorfladen mit einem leckeren Eis in der Waffel. Ich wähle Erdbeere und Schokolade  - ein Gedicht.


Gestern schon in Härnösand, heute auf der gesamten Etappe immer wieder und jetzt auf dem Mittsommerfest in Mellanfjärde - außer auf Kuba habe ich noch nie eine so hohe Dichte an amerikanischen Oldtimern gesehen wie in Schweden. Während die Oldtimer auf Kuba leider wegen des Notstandes eher ein erbärmliches Dasein fristen, sind die in Schweden in Neuwagenzustand. Sie funkeln und glänzen und brummeln mit ihren rießigen V8-Motoren ganz entspannt dahin. Die ältesten stammen aus den 1950er Jahren. Das nenne ich mal Nachhaltigkeit.

 

Aber was ein richtig stolzer Schwede ist, der pflegt auch seinen alten Volvo und Saab. Ich finde es einfach nur schön und begeisternd.

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Kommentare: 2
  • #1

    Janine (Freitag, 24 Juni 2022 19:53)

    Hallo Wolfgang, wir freuen uns, dass du mal wieder so einen richtig positiven Tag hattest : gute Wege, schöne Aussichten U Landschaften, keinen Stress mit Fahrrad, leckeres Essen ( nach diesen Studentenfuttertagen U dem Kalorien verbrauch wirst du ja sicher schon das ein oder andere Kilo gelassen haben... Und außerdem ein paar Menschen drumzu, so dass man mal wieder schnacken konnte, wie wir Ostfriesen sagen... �weiterhin alles Gute��

  • #2

    Wolfi (Freitag, 24 Juni 2022 20:59)

    Liebe Janine,
    schön, wieder von dir zu hören. Ich hoffe, es geht euch gut.
    Es geht gut voran. Ich bin zufrieden.
    Mittsommer mitzuerleben, ist etwas ganz besonderes. Ich habe es richtig genossen.
    Das Wetter ist schön und so steht weiteren tollen Tagen nichts im Weg.
    Bis bald und liebe Grüße- auch an Michael und deine Mama.