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Tag 76 (15.08.2022): Von Massiac nach Lac de Graves

Tageskilometer: 67,12 Km

Tageshöhenmeter: 940 Hm

Gesamtkilometer: 4.768,91 Km

Gesamthöhenmeter: 32.981 Hm

Gesamtkilometer Schiff: 101,20 Km

 

Gestern Abend habe ich mir noch ein Stück deutscher Filmgeschichte im Fernseher angeschaut: Edgar Wallace: Der Gorilla von Soho☠️. Das ist wie Tator, nur lustiger🤡. Die Ermittlungsmethoden damals waren auch mehr aus dem Bauch heraus. Denn DNA-Spuren oder Ähnliches gab es noch nicht. Ich fand's richtig amüsant.

 

Ich sitze um 6:50 Uhr fertig gepackt vor der verschlossenen Rezeption des Hotels. An mein Gespann komme ich auch nicht, weil der Raum dafür abgesperrt ist. Naja, Frühstück gibt es ja erst ab 7:30 Uhr hat der Boss gestern gesagt. Um kurz vor 7:00 Uhr schneit eine ebenso hübsche wie junge Hotelangestellte herein, die zu meiner Überraschung sehr gut Englisch mit wenig Akzent spricht. Sie verspricht mir sogleich, dass sie sich um das Frühstück kümmert. Davor darf ich noch schnell und unkompliziert auschecken. Sie tut wirklich alles, um das Frühstück bereitzustellen. Kaffemaschine - läuft, Milch - steht bereit, Marmeladen und Schoko-Nuss-Aufstrich - stehen bereit, Butter - steht bereit, Baguette - steht auch bereit, Croissants - kommen gleich🥰👏.

 

Das Baguett ist ofenfrisch und dementsprechend warm - herrlich. Dazu genehmige ich mir Butter und Marmelade, später noch Schoko-Nuss-Aufstrich. Jetzt kommen auch noch die ofenwarmen Croissants. Da kann ich nicht nein sagen und genehmige mir auch noch zwei - mit Schoko-Nuss-Aufstrich.

 

Die hübsche und freundliche junge Dame und das ofenwarme Gebäck können aber meine Meinung über diese Absteige nicht ändern. Das war um Meilen schlechter als jede kleine Hütte auf den Campingplätzen im arktischen Gebiet. Ich würde sagen, dass der Laden bisher die rote Laterne innehat. Wenn ich in sicherer Entfernung vor dem grobschlächtigen und verschwitzten Eigentümer bin, gibt's dafür auch die entsprechende Bewertung0️⃣😛.

 

So gestärkt kann's losgehen und ich verlasse Massiac auf der N122. Die Straßen die mit einem "N" und einer bis zu dreistelligen Ziffer gekennzeichnet sind, sind in Frankreich übergeordnete Bundesstraßen. Das ist aber nicht weiter schlimm für mich, zumindest nicht auf der N122. Die ist wenig befahren und hat oft einen breiten Randstreifen, auf dem es sich ungestört dahinradeln lässt. Der Himmel ist wolkenverhangen grau und die Temperaturen liegen bei 13o C. Also, auch angenehm zum Radeln. Ich habe die Tour gestern übrigens vom Tourentyp her von einer Fahrradtour zu einer Graveltour umgestellt. Das spart mir 10 Kilometer und 600 Höhenmeter. Nachdem mein Rücken wieder schmerzt, genau das Richtige. Jedoch sollte ich auf der vorgeschlagenen Route nicht den Einladungen zum Abzweig auf die Gravelstrecken folgen, sondern immer schön auf der N122 bleiben.


Heute ist übrigens in Frankreich der Feiertag. Assomnption, der zeitgleich in Deutschland als Mariä Himmelfahrt gefeiert wird. Es ist einigermaßen Verkehr auf den Straßen. Die Franzosen zieht es zu Freizeitaktivitäten in die Natur.

 

Es ziehen imposante Berge des Cantals, dem größten Vulkangebiet Europas an mir vor. Dann erblicke ich wieder ein herrschaftliches Schloß, das einfach nur schön ist. Der Wind bläst kräftig aus westlicher Richtung, aber das macht mir bei diesen Temperaturen nichts aus. Schon bald beginnt der serpentinenartige Anstieg nach Le Lioran, dem Ausgangspunkt für viele Sommer- und Wintersportaktivitäten. Ganz oben angekommen, packe ich zum ersten Mal seit meiner Etappe von Tolg nach Älmhult wieder meine Outdoorjacke aus. Der Wind ist kalt und die tiefhängenden Wolken fühlen sich nass auf meiner Haut an.

Daheim gravle ich wirklich gerne, aber auf Strecken die ich kenne oder die ich mir davor genau angeschaut habe.

 

Ich habe ja bemerkt, dass ich die Tour von einer Fahrradtour zu einer Graveltour umkategorisiert habe. Das spart mir 10 Kilometer und 600 Höhenmeter auf meiner heutigen Etappe. Das ist genau richtig so, nachdem mir mein Rücken wieder ordentlich wehtut. Alles was ich tun muss, ist, die Einladungen zum Abzweig auf die Gravelstrecken auszuschlagen und schön brav auf der N122 zu bleiben.

 

Wie mache das nun, dass ich eben nicht auf die Gravelstrecken abzweige, sondern immer schön brav auf der N122 bleibe? Ganz einfach! Immer, wenn mir das Navi ankündigt, dass wir jetzt dann eine Runde graveln, zoome ich aus der Karte heraus, um sicher zu sein, dass die Gravelstrecke weiter vorne wieder auf die N122 führt. So kann ich die Gravelstrecken ignorieren. Das klappt auch wunderbar bis Le Lorian, einem Ausgangspunkt für Sommer- und Wintersportaktivitäten.

 

Dann zoome ich nicht weit genug aus der Karte heraus, und um ehrlich zu sein, fahre ich ohne weiter nachzudenken🤯 auf einen Wanderweg. Der fährt sich anfänglich ganz gut, wird aber immer steiniger und steiler. Ab und zu quert auch ein Bächlein den Weg. Das Navi sagt mir, dass ich noch 3,6 Kilometer und 347 Höhenmeter bis nach oben habe. Ich denke mir, dass ich wohl teilweise fahren kann - denke ich mir. Ich muss das Gespann den ganzen Weg mit teilweise 12% Steigung hochschieben🥵, weil es einfach zu steinig und steil ist, um mit dem Gespann fahren zu können. Es wäre meiner Meinung nach auch mit einem Gravelbike nicht fahrbar, mit einem Mountainbike eventuell. Ich kann froh sein, dass es angenehme Temperaturen hat.

 

Oben angekommen, denke ich mir, dass ich jetzt bestimmt bequem abfahren kann - denke ich mir. Doch der Weg geht genauso lange, steinig und steil nach unten. Wenn ich nur den Hauch einer Chance sehe zu fahren, steige ich auf und fahre. Aber ich bin vorsichtig, Ein Sturz wäre fatal und würde vielleicht das Ende meiner Tour bedeuten. Das will ich auf gar keine Fall riskieren.


Mir kommen mehrmals Wanderer mit bepackten Eseln entgegen. Weil ich das Gespann im steilen Gelände nicht abstellen kann, kann ich leider auch keine Fotos davon machen. Irgendwann komme ich unten auf einem halbwegs geteerten Weg an, und denke mir "Jetzt habe ich mit dem Gespann auch eine kleine Bergwanderung gemacht. Andere nehmen sich dafür einen Esel, was  sinnvoll ist. In meinem Fall schiebt der Esel🐴 das Gespann.". Die Landschaft und das Klima haben sich im Vergleich zu den letzten Tagen deutlich geändert. Die Bilderbuchlandschaften zeigen, dass ich in einem bis über 1.800 Meter hohen Mittelgebirge, dem Zentralmassiv, bin. Die Temperaturen mit 11o C bestätigen das nur.

 

Die letzten 11 Kilometer sind dann Entschädigung für diese Plage. Auf fein geteerten Straßen geht es kurvenreich und schön berab meinem heutiges Etappenziel Jaulhac entgegen.


Dort habe ich mich in der Herberge Le Lac des Graves einquartiert. Als ich auf den Parkplatz fahre, hält mich ein Gorilla🦍, der allerdings wie ein Mensch👴 aussieht, an. Soviel verstehe ich schon, dass ab hier nur geladene Gäste weiterfahren dürfen. Ich erkläre dem Gorilla, dass ich eine Reservierung habe. Da grinst er freundlich und zeigt mir mit der Hand an, dass ich die Erlaubnis zum Weiterfahren habe. Das Lac de Graves bietet gemütliche Appartements in Holzhäusern an. Das Anwesen ist wunderbar an einem See gelegen, eingebettet von den Höhenzügen des Zentralmassivs.

 

An der Rezeption vergesse ich, darauf hinzuweisen, dass ich kein Französisch kann, und sage auf Englisch meinen Namen, und dass ich eine Reservierung habe. Sofort kommt von dem Mann, ich nehme an, es ist der Chef, die Frage auf Englisch zurück, ob ich kein Französisch kann. Nein, Französisch kann ich nicht! Er checkt mich ein, und erklärt mir, dass das Restaurant montags geschlossen hat. Auf meine Frage, ob ich ein paar Sanwiches haben kann, antwortet er mit ja.

 

Ich erledige meine Routinearbeiten wie Fahrrad versorgen, Flaschen auffüllen und natürlich Duschen. Gut, dass ich noch auf die Aufschrift des kleinen Ausquetschbeutels geschaut habe, der stilvoll mit den Handtüchern auf dem Bett stand! Ich dachte erst, dass wäre ein Trink mit Apfelgeschmack. Dabei war es nur das Duschgel. Danach reibe ich meinen Rücken mit den Restbeständen meiner schwedische Geheimwaffe "Ormsalva" ein, die ich mir ja in Bergsviken bei der Apothekerin mit dem erwärmenden Anblick gekauft hatte. Die "Ormsalva" wird's schon richten!

 

Ich bekomme keine Sanwiches, sondern eine dermaße tolle Brotzeit, dass ich mir wünschte, dass Restaurant hätte heute geöffnet. Schinken, Käse, Melone, Salat, Brot, Butter, Leberpastete in Backteig und als Nachspeise ein Biscuittörtchen mit Vanillecreme und Johannisbeeren. Das war einfach nur lecker - Merci🥖🥓🧀🥗🍮!

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Kommentare: 2
  • #1

    Liesl (Mittwoch, 17 August 2022 09:14)

    Servus Wolfi, na endlich was gscheit‘s zum Essen �

  • #2

    Wolfi (Mittwoch, 17 August 2022 09:27)

    Servus Liesl,
    ja, da lebt es sich gleich viel glücklicher.
    Liebe Grüße