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Tag 89 (28.08.2022): Von Alesanco nach Burgos

Tageskilometer: 93,11 Km

Tageshöhenmeter: 943 Hm

Gesamtkilometer: 5.662,48 Km

Gesamthöhenmeter: 41.358 Hm

Gesamtkilometer Schiff: 101,20 Km

 

 

Gestern Abend hatte ich mal wieder keine Lust mehr, irgendetwas Frittiertes zu essen. Da bin ich in den 200 Meter entfernten kleinen Supermarkt. Da gab es Chorizo und ein Baguette. Damit war ich, im Innenhof der Pension sitzend, völlig zufrieden.

 

In vielen Unterkünften könnte Verschiedenes nachhaltiger sein. Immer wieder sind Butter, Marmeladen oder auch Duschgels in Einzelportionen verpackt, die viel Plastikmüll machen. So ist es leider auch hier. Dabei kann man doch Butterdosen, Marmelade im Glas und Duschgel im Nachfüllspender anbieten - und natürlich noch vieles mehr. Ansonsten gibt#s an der Auswahl des Frühstücks für mich nichts zu meckern.

 

Das Navi spielt verückt. Das war zuletzt auf der Fahrt von Gävle nach Tärnsjö in Schweden passiert Es meint partout, dass es heute schwierig sei, weil es zu wenige Wegpunkte wären. Es kriegt sich aber dann doch wieder ein, ist aber sehr langsam.

 

Die Sonne geht um kurz nach 7:00 Uhr auf, es ist wieder frisch - 14o C. Wenn es mit den morgendlichen Temperaturen so weitergeht, werde ich mir für die erste Fahrstrecke ein Fleece herrichten. 

 

Es geht auf der bekannten NA-1110 ein  kurzes Stück entlang, bis ich auf den holprigen Jakobsweg abbiege. Die erste Wander-Pilger sind schon unterwegs.


In dem kleinen Örtchen Cirueña spielt das Navi dann völlig verrückt! Es stellt die Navigation ein, zeichnet aber meinen Fahrweg mit allen Daten weiterhin auf. Ich greife auf mein Smartphone als Backup-Navi zurück. Jetzt fahre ich wieder auf der N-120 in Richtung Westen, verpasse dann aber die Abfahrt auf den EuroVelo 1 bei Santo Domingo de la Calzada. Deshalb nehme ich bei nächster Gelegenheit bei Grañon eine Abzweigung nach Norden, die mich wieder auf den EuroVelo 1 und somit auf die Straße LR-200 bringt. Diese wird im späteren Verlauf zur LR-201.

 

Der Umweg, wieder auf dem EuroVelo 1 weiterfahren zu können, hat sich vollends gelohnt. Einsame Straßen und Blicke auf nicht enden wollende wunderschöne Landschaften belohnen mich. Dieses strahlende Goldgelb, das immer wieder von Grün unterbrochen wird, und dahinter der blaue Himmel sind einfach eine Wohltat für die Seele. Begleitet wird das ganze von großer Stille. Rechts, also nördlich von mir begleiten mich weiterhin die Ausläufer des Kantabrischen Gebirges. In dieser Region wird neben Sonnenblumen sehr viel Pimentos angebaut, die mit ihrem glühenden Rot an den Pflanzen hängen.

 

Bei Belorado biege ich wieder wieder auf die N-120 ab. Kurz danach folge ich dem EuroVelo 1, der zugleich der Camino Frances ist, und den sich Wanderer und Fahrradfahrer teilen, noch ein paar Kilometer. Dann biege ich wieder auf die N-120 ab und fahre diese bis zu meinem heutigen Etappenziel durch. Die Wegteilung mit den wandernden Pilgern nervt mich. Entweder hören sie mein sanftes und im Bedarfsfall lauter werdendes Klingeln nicht oder sie wollen es nicht hören. Über das Problem habe ich schon im Internet gelesen, und nachdem ich keine Diskussionen möchte, sondern meinen Frieden, fahre ich eben auf der N-120. Das ist auch eine gute Wahl, denn die Straße ist für Fahrradfahrer wunderbar befahrbar und lange Zeit begleiten mich auf beiden Seiten der Straße große Pinienwälder.


Mein heutiges Etappenziel ist Burgos, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-León (Castilla y León). Zur Organisation Spaniens kommen wir in einem der nächsten Blogeinträge noch. Bildung ist wichtig!

 

Die Fahrt geht durch den mit vielen Spazier- und Radwegen ausgestatteten grünen Stadtpark von Burgos. Und dann komme ich auch schon an meiner heutigen Übernachtungsmöglichkeit an.

 

Meine Unterkunft, daHotel Norte y Londres liegt direkt in der Innenstadt. Eine sehr freundliche Dame am Empfang meint wieder mal, dass mein Zimmer noch nicht fertig ist. Ich frage sie, wo es denn was gutes zu Essen gibt, und sie meint gleich um die  Ecke in den vielen Lokalen in der Calle San Lorenz. Mir gefällt das Hotel auf Anhieb. Es ist gemütlich stilvoll eingerichtet, die Dame an der Rezeption ist freundlich und hilfsbereit. Mein Gespann darf in einem Abstellraum übernachten, wo ich es auch direkt laden kann.


Die Speisekarten sind keinesweg übertrieben groß abgebildet! Sie verdienen es, so abgebildet zu werden. Es gibt Essen und zwar nicht irgendwelches Essen, sondern es gibt in der ganzen Stadt richtig gutes spanisches Essen - Tapas, Paellas und Fideuas und viele andere spanische Leckereien. Wem das nicht reicht, der kann sich auch das Essen in Restaurants mit hervorragender ausländischer Küche schmecken lassen.

 

Ich gehe in die Bar-Restaurant Pancho. Ich setze mich an die Bar gleich vorne beim Eingang. Der Ober kommt und entschuldigt sich für sein gebrochenes Englisch. Wir verstehen uns auf Anhieb. Nach diesem wunderbaren Fahrradtag - daran kann auch das Navi nix ändern - genehmige ich mir erstmal ein Gläschen Rotwein🍷. Dann sage ich dem freundlichen Kellner, dass ich gerne was Essen möchte. Er meint sie haben verschiedene Tapas, und bevor er zum Aufzählen anfängt, bitte ich ihn einfach um eine Variation🦪🍤🥟🥠🌮. Dann beginnt ein Feuerwerk an Essen vom Allerfeinsten. Ich bekomme warme Tapas, kalte Tapas, Tapas mit Wurst, Tapas mit Fisch, Tapas mit Pimentos, Tapas als Kroketten mit Schinken - ich weiß nicht mehr alles. Das alles serviert mir der freundliche Ober immer nach und nach portionsweise. Nach jeder Portion frägt er mich, ob es weitergehen kann. Und es kann sehr, sehr lange weitergehen, bis ich nicht mehr kann. Weil's gar so schön ist, bitte ich ihn zwischendurch um ein zweites Glas Rotwein🍷.

 

Langsam wird es im Pancho immer voller, und die Leute kaufen sich fleißig Tapas und Getränke. Die wissen auch was gut ist. So stelle ich mir Spanien und spanisches Essen vor. 

 

Beim Bezahlen gebe ich dem Kellner ein großzügiges Trinkgeld. Das hat er sich wegen seines supertollen Services und des extrem leckeren Essens redlich verdient. Das gibt er an seinen Chef weiter, der sich prompt bei mir bedankt und mir ein Kärtchen mitgibt. Der freundliche Kellner verabschiedet mich noch sehr herzlich mit einem Handschlag.

 

 

Der kleine Bayer meint "War des guad! Da legst di nieda und stehst nimma auf!" Ich sag zu ihm "Nix is mit hinlegen. Nach dem Duschen machen wir einen kleinen Spaziergang durch das historische Zentrum von Burgos und da gehst du mit." Er meint "I bin dabei, aba nur, wenn mia am Abend nomoi in die Tapas-Bar genga und ordentlich zuschlagen." Da braucht der kleine Bayer mich nicht zweimal bitten.

Die Plaza Rey San Fernando vor der Kathedrale in Burgos.
Die Plaza Rey San Fernando vor der Kathedrale in Burgos.
Der Hauptaltar in der Kathedrale.
Der Hauptaltar in der Kathedrale.
Der Inninhof Compuesta de Lleno VIII.
Der Inninhof Compuesta de Lleno VIII.
Das Westportal der Kathedrale
Das Westportal der Kathedrale

Gestern habe ich noch geschrieben, dass ich keine Kirchen mehr anschauen muss, heute bin ich doch tatsächlich in einer drin. Die Kathedrale von Burgos ist ein Prachtbau, und den kann man einfach nicht so links liegen lassen. Ich kaufe mir eine Eintrittskarte und schlendere durch diesen mächtigen gotischen Bau, der sehr beeindruckend ist.


Einmal um die Kathedrale, die beträchtliche Ausmaße hat und ein wenig durch die belebten Gassen von Burgos, dann geht's erstmal zurück ins Hotel. Der Blog soll ja schließlich geschrieben werden. Aber am Abend, da geht's nochmal in die Calle San Lorenzo ins Pancho zum Tapas-Essen und Rotwein.

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Kommentare: 6
  • #1

    Dieter (Sonntag, 28 August 2022 21:07)

    Servus Wolfgang

    Da freut sich der kleine Bayer wenn das Essen schmeckt. Mittags einen Rotwein, das klingt nach Urlaub.

    Viel Grüße Dieter

  • #2

    Wolfi (Sonntag, 28 August 2022 21:26)

    Servus Dieter,
    Urlaub ist es ja eigentlich von Anfang an, aber gutes Essen ist ein Highlight auf meiner Tour.
    Liebe Grüße

  • #3

    Maximilian (Montag, 29 August 2022 13:30)

    Hallo Wolfi, schön, dass Du Burgos erreicht hast. Ich wünsche Dir weiterhin eine gute Fahrt.

  • #4

    Wolfi (Montag, 29 August 2022 13:55)

    Servus Maximilian,
    weiß zwar nicht, wer du genau bist, aber vielen Dank für deine Glückwünsche. Es wäre schön, wenn du mir noch mitteilst, wer du bist.
    Lerne
    Liebe Grüße

  • #5

    Maximilian Lohrer (Montag, 29 August 2022 18:29)

    Hi Wolfi

    Ich war einer Deiner Kollegen.

  • #6

    Wolfi (Montag, 29 August 2022 18:43)

    Servus Max,
    Das freut mich sehr, von dir zu hören. Ich hoffe, dir geht's gut.
    Liebe Grüße