Tag 33 (17.06.2023): Von Præstø nach Rostock

Die alte Storstrømsbroen.
Die alte Storstrømsbroen.

Tageskilometer: 97,70 Km

Gesamtkilometer: 6.778,80 Km

Durchschnittsgeschwindigkeit: 55 Km/Std.

Tageskilometer Schiff: 48,40 Km

Gesamtkilometer Schiff: 912,96 Km

Reisezeit: 4:51 Stunden

Gesamtreisezeit: 147:15 Stunden 

 

 

 

Referenzartikel aus dem Jahr 2022:

Tag 44 (14.07.2022): Von Præstø nach Rostock

 

Als ich heute morgen aufstehe, ist draußen ein wunderbarer Tag. Es scheint die Sonne und über der Landschaft breitet sich dieses wunderschöne, ja magische Licht aus, dass es wohl nur hier gibt. Man könnte meinen, man betrachtet ein Gemälde.

 

Mikel, der Sohn von Filipp und Annette ist heute der Chef vom Dienst. Er bereitet mit den beiden ukrainischen Jugendlichen Tira und Andrej das Frühstück vor. Ich setze mich an einen Tisch, damit ich genau den Blick mit der Kutsche zur Ostsee habe, den ich ja gestern im Blog als Bild veröffentlicht habe. So frühstückt man auch nicht alle Tage.

 

Das Motorrad habe ich schon vor dem Frühstück abfahrbereit gepackt. Pressieren tut mir nichts, denn was ich voriges Jahr mit dem Gespann und dem lädierten Knie geschafft hatte, werde ich doch hoffentlich mit einem Motorrad mit 136 PS auch schaffen.

 

Ich verabschiede mich von Mikel, Tira und Andrej - schade, dass ich das nicht auch bei Filipp und Annette tun kann. Also, wer mal Urlaub im Paradies machen will, dem kann ich nur raten, hierher zu fahren.

 

Ich bin etwas verwundert, denn das Navi meldet nach wenigen Kilometern eine Verzögerung von über 1:30 Minuten. Ich akzeptiere die vorgeschlagene Auswahlroute und das ist gut so. Diese Route entspricht nämlich genau der Route, die ich voriges Jahr mit dem Fahrrad gefahren bin. Der einzige Unterschied ist, dass ich natürlich mit dem Motorrad nicht auf den Fahrradwegen dahinbrettere, sondern die Straßen nutze. Mit dahinbrettern meine ich natürlich die Geschwindigkeit im Vergleich zum Fahrrad - da bin ich nämlich speziell auf dieser Etappe mit dem lädierten Knie alles andere als dahingebrettert. Ich halte mich natürlich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Die Busgelder in den nordischen Staaten richten sich ab einer gewissen Höhe nach dem Einkommen. So musste vorige Woche in Finnland ein Multimillionär 120.000 Euro (!) für eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 31 Km/h innerorts zahlen.

 

So komme ich nach einiger Zeit an die alte Storstrømsbroen, die die Insel Seeland im Norden mit der Insel Falster im Süden verbindet. Der alte Koloss sieht wirklich übel aus. Der Stahl ist verrostet und jetzt fahre ich ja auf der Straße neben dem Fahrradweg. Dort ist die Geschwindigkeit auf 50 Km/h festgelegt. Der Fahrbahnbelag ist brüchig und uneben. Voriges Jahr ist ja genau zu der Zeit, als ich mit dem Fahrrad d'rübergefahren bin, ein Zug d'rüber. Ich dachte, das war's jetzt dann mit dem alten Teil. Es ist also kein Luxus, aber allerhöchste Zeit, dass die neue Brücke fertig wird.

Die neue im Bau befindliche Storstrømsbroen.
Die neue im Bau befindliche Storstrømsbroen.

Die neue Brücke war ja voriges Jahr schon im Bau, und ich dachte, dass der Bau schon weiter vorangeschritten wäre. Da habe ich mich getäuscht. Da ist noch einiges zu tun. Es stehen viele Stützen bereits in der Ostsee, aber die Fahrbahnteile fehlen noch zum größten Teil.

 

Wenn ich die Dänen wäre, würde ich mich beim Zustand der alten Brücke beeilen. Ich frage mich übrigens, was die Dänen mit der alten Brücke machen, wenn die neue eröffnet ist.

Der Leuchtturm bei Gedser Odde.
Der Leuchtturm bei Gedser Odde.
Das Verbots-Schild habe ich voriges Jahr glatt übersehen.
Das Verbots-Schild habe ich voriges Jahr glatt übersehen.
Strand in Richtung Gedser.
Strand in Richtung Gedser.

Am frühen Vormittag komme ich entspannt in Gedser Odde, dem südlichsten Punkt Skandinaviens, an - das heißt nicht ganz.

 

Zuerst sehe ich den Leuchtturm bei Gedser Odde. Der war voriges Jahr eingerüstet und verhüllt, aber da haben die Bauarbeiter ganze Arbeit geleistet. Der steht wieder da wie eine Eins.

 

Dann komme ich zur letzten Kurve, bevor es noch 500 Meter zur Gedser Odde geht. Da sehe ich  auf einmal das Verbotsschild für Motorfahrzeuge. Komisch - das hatte ich voriges Jahr überhaupt nicht gesehen. Naja, nachdem man zu dem schäbigen Touristcenter nicht unbedingt hinlaufen muss, erspare ich mir das bei der Wärme in den Motorradklamotten. Am Parkplatz in der Kurve, auf dem anscheinend einige Camper übernachtet haben, ist es auch schön. Ich genieße den Ausblick und den angenehmen Wind. Dann mache ich mich langsam auf in Richtung Gedser Hafen. Ich habe noch jede Menge Zeit, denn die Fähre nach Rostock geht erst um 13:30 Uhr.

 

In Gedser fahre ich an eine Tankstelle, um etwas Luft in den Reifen der Maschine nachzufüllen. Nach fast 6.800 Kilometern fehlen vorne wie hinten lediglich 0,1 Bar.

Der Fährhafen von Gedser.
Der Fährhafen von Gedser.
Gedser Odde, der südlichste Punkt Skandinaviens vom Meer aus gesehen.
Gedser Odde, der südlichste Punkt Skandinaviens vom Meer aus gesehen.
Segelboote vor der Einfahrt in den Hafen von Rostock.
Segelboote vor der Einfahrt in den Hafen von Rostock.

Ich fahre zum Terminal des Fährhafens. Das ist für motorisierte Fahrzeuge nicht am Hafengebäude, sondern etwas entfernt. Ich fahre an einern Schalter und frage die Dame in ihrem Häuschen, ob ich auch die Fähre früher nehmern könnte. Sie meint, dass das mit einem Motorrad immer möglich sei, weil es genügend Platz gibt. Sie bucht mich ein und schon reihe ich mich auf Lane 11 bei den anderen Bikern ein.

 

Aus der Fähre kommen gerade die Fahrzeuge, die in Rostock geladen wurden. Dann dürfen wir Motorradfahrer wieder als erste einfahren. Das Verzurren der Motorräder ist hervorragend gelöst und ein Kinderspiel. Die Fähre legt um 11:15 Uhr ab. Beim Blick zurück ist der Hafen von Gedser und ein paar ebenfalls hinausfahrende Segelboote schön zu sehen.

 

Weiter draußen gibt es nochmals einen Blick auf die Gedser Odde und den neu renovierten Leuchtturm.

 

Das Wasser ist bei der gesamten Überfahrt nahezu spiegelglatt. Schon einige Zeit vor dem Einlaufen in den Hafen Rostock-Warnemünde fahren Segelboote auf der glatten Ostsee dahin. Das Licht wirkt wieder derart surreal, dass man meinen könnt, es handelt sich um ein Bild.

 

Übrigens, die Dänen machen auf mich einen anderen Eindruck als dier übrigen Nordländer. Ich möchte sie nicht als unfreundlich bezeichnen, aber so freundlich wie die Finnen, Norweger und Schweden sind sie nicht. Sie haben meines Erachtens ein sehr ausgeprägtes Selbstbewußtsein.

 

Wie schon berichtet, kommt maqn in allen vier Ländern hervorragend mit Englisch durch. Wer auch das nicht kann sollte sich zumindest für den Schwedenurlaub den großen Gerhard Polt mitnehem. Denn der hat Skandinavistik studiert und spricht perfekt schwedisch - wer hätt's gedacht.

Lebhaftes Treiben in der Fussgängerzone von Rostock.
Lebhaftes Treiben in der Fussgängerzone von Rostock.
Neuer Markt mit Marienkirche im Hintergrund.
Neuer Markt mit Marienkirche im Hintergrund.
Steintor.
Steintor.
Rathaus.
Rathaus.

 Als ich in Rostock ankomme, muss ich noch einige Zeit auf mein Hotelzimmer warten. Ich stelle das Motorrad in die Tiefgarage. Das Gepäck stelle ich an der Rezeption ab. Dann bekomme ich mein Zimmer.

 

Ich dusche und dann läutet das Telefon. Meine Frau ist dran, und ich bin schon sehr gespannt, was sie mir zu erzählen hat. Heute findet nämlich im Klinikum Rechts der Isar der TU München der Arzt-Patienten-Tag 2023 statt. Alle medizinichen Disziplinen sind dabei vertreten, stellen Projekte vor und halten Vorträge über aktuelle Themen in der Medizin.

 

Nachdem ich nicht da bin, nimmt meine Frau teil. Sie ist sehr interessiert an verschiedenen Vorträgen, nimmt aber noch eine andere wichtige Rolle war. Sie übergibt an Herrn Univ.-Prof. Dr. med. Helmut Friess 25 Exemplare meines Buches. Sie erzählt vor einem großen Auditorium, dass mich meine schwere Erkrankung und die daran anschließende Heilung dazu bewogen hat, mich hierfür zu bedanken. Ich habe die Tour de Chirurgie mit dem Fahrrad unternommen, um zu zeigen, was auch nach einer schweren Erkrankung möglich ist. Dabei habe ich als Dankeschön Spenden für die Stiftung Chirurgie TU München gesammelt. Und ich jhabe das Buch veröffnetlicht, um nochmals Spendengelder für die Stiftung Chirurgie TU München zu generieren und um Patienten und Angehörigen ein Stück Motivation zu vermitteln, auch nach schwierigen Zeiten aufzustehen und etwas Schönes und Erfüllendes für sich zu tun.

 

Mein Projekt und mein Buch scheint gut angekommen zu sein und auch Begeisterung ausgelöst zu haben. Dann ist der Zweck erfüllt und ich freue mich sehr. An dieser Stelle danke ich meiner Frau Susanne von Herzen, dass sie mich vertreten und alles so toll vermittelt hat.

 

Mein erster Weg in Rostock geht schnurstracks in ein Kaufhaus. Viele werden sich noch erinnern, dass im NDR früher ein Walroß namens Antje zu sehen war. Und ich fühle mich, als wäre ich mit Antje verwandt. Ich habe nämlich meinen Nasenhaartrimmer daheim vergessen. Eine freundliche Verkäuferin zeigt mir ein Model. Das nehme ich und nehme es im Hotel in Betrieb. Der Nasenhaartrimmer geht ab wie Schmitz' Katze; kein Ruckeln, kein Ziepen, einfach nur super! Was ist das für eine Wohltat, wenn nix mehr kitzelt, juckt und stört.

 

Ich klappere noch das Steintor und das Rathaus ab, aber damit soll es das auch gewesen sein. Mir ist es erinfach zu heiß und außerdem ist das ja wohl wieder mal genug für heute.

 

Heute haber ich übrigens die magische Zahl von 6.693,57 Kilomertern überschritten. Das war genau der Endstand bei meiner Fahrradtour. Obwohl ich erst seit knapp 5 Wochen unterwegs bin, kommt es mir länger vor, als auf meiner Fahrradtour. Auf der Fahrradtour habe ich einfach Zeit und Raum vergessen und völlig im Hier und Jetzt gelebt. Das gelingt auf der Motorradtour nicht so - war aber auch irgendwie klar.

 

Zum Schluss würde ich mich noch freuen, wenn der eine oder andere sich mein Buch zulegen würde. Wo es das gibt? Darüber gibt ISBN.de Auskunft. Der einschlägige Online-Buchhandel hat es auf alle Fälle. 5 Euro gehen sofort an die Stiftung Chirurgier TU München. Vielen Dank!

Kommentar schreiben

Kommentare: 5
  • #1

    Werner Bendel (Samstag, 17 Juni 2023 21:00)

    Servus Wolfgang,
    endlich bist du wieder in Deutschland.Wie schon bei deiner Radtour verfolgen wir nun deine Eindrücke von der Nordtour.

    Grüße aus Goslar
    Herta und Werner

  • #2

    Wolfi (Sonntag, 18 Juni 2023 04:30)

    Servus Herta und Werner,
    schön, dass ihr wieder dabei seid. Wenn ihr in Goslar seid, habt ihr ja vielleicht sich schon eine Gose probiert. Das ist mal ein ganz anderer Bierstil. Ich freue mich schon, wenn wir uns in München wiedersehen.
    Liebe Grüße

  • #3

    Harry (Sonntag, 18 Juni 2023 10:42)

    Herzlich willkommen zurück in Deutschland.
    Grüße von uns Rostock und mach noch einen Abstecher nach Warnemünde.
    In zwei Wochen sind wir ebenfalls an der Ostsee.
    Freu mich schon auf ein Wiedersehen im Biergarten und viele spannende Geschichten.

  • #4

    Harry = Nachtrag (Sonntag, 18 Juni 2023 11:22)

    Bei Amazon hab ich gerade Dein Buch bestellt. Am Mittwoch wird’s geliefert �.
    Leider darf ich es nicht gleich lesen bzw. in den Urlaub mitnehmen, da meine liebe Frau es sofort konfisziert und ich bekomme es später zum Geburtstag �.
    Ein schönes Geschenk, ich freue mich schon darauf.

  • #5

    Wolfi (Sonntag, 18 Juni 2023 16:35)

    Servus Harald,
    Danke für die Willkommensgrüße. Auf einen Biergartenbesuch mit uns freue ich mich auch schon sehr. Es freut mich, dass ihr das Buch bestellt habt. Damit gehen wieder 5 Euro an die Stiftung Chirurgie TU München. Damit es bei euch keinen Kampf um diesen Kassenschlager gibt, gibt's bei unserem Wiedersehen noch ein zweites von mir dazu.
    Ich wünsche euch einen tollen Urlaub und freue mich schon, wenn wir uns bald wieder sehen.
    Liebe Grüße